LTU fliegt ohne Swissair weiter

16. November 2001, 15:14
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Gehaltsverzicht bei Unternehmensleitung

Zürich/Düsseldorf - Drei Jahre nach dem Einstieg der Schweizer Swissair-Gruppe beim Düsseldorfer Ferienflieger LTU wird die gesellschaftsrechtliche Verbindung gekappt. Für den symbolischen Preis von einem Euro werde der 49,9-prozentige LTU-Anteil an die Kölner Handelsgruppe Rewe verkauft, teilte Swissair-Sachverwalter Karl Wüthrich am Freitag in Zürich mit. Das Paket soll dann an die Stadtsparkasse Düsseldorf weitergereicht werden. Das Kreditinstitut will die Anteile treuhänderisch bis zum Einstieg eines langfristigen Investors in den zweitgrößten deutschen Ferienflieger verwalten.

Swissair: Verluste ibs zu 700 Millionen Franken

Die LTU war durch die Zahlungsunfähigkeit der Swissair in schwere finanzielle Turbulenzen geraten. Die Schweizer sollten die LTU-Verluste ausgleichen und die Modernisierung der Flugzeugflotte mittragen. Vor einer Woche verständigten sich in Düsseldorf Banken und Anteilseigner auf eine Rettungsaktion für die LTU-Airline. Neben der Anteilsübernahme durch die Stadtsparkasse ist vorgesehen, dass die REWE frisches Kapital zuführt. Die Landesregierung Nordrhein- Westfalen will die Sicherung des Traditionsunternehmens mit einer Landesbürgschaft in Höhe von rund 200 Mill. Euro (2,75 Mrd. S) begleiten.

Für die Swissair-Gruppe entstehen durch den Anteilsverkauf Verluste von bis zu 700 Mill. Franken (476 Mill. Euro/6,55 Mrd. S). Es würden aber weitere Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Franken vermieden, erläuterte der Sachwalter. Vor allem müsse Swissair nicht mehr das gesamte finanzielle Risiko der LTU bis Ende 2005 tragen. Die in der Verlustzone fliegende LTU will 2003 ein ausgeglichenes Ergebnis und ab 2004 Gewinne erzielen. Zur Rettung des Unternehmens tragen die 2300 Mitarbeiter bei. Das Gehalt des Boden- und Kabinenpersonals wurde um fünf Prozent gesenkt. Die 360 Piloten erhalten zehn Prozent weniger Gehalt. Auch die 30 leitenden Mitarbeiter verzichten auf zehn Prozent.

Unterdessen geht die Flottenmodernisierung weiter. Vom 1. April nächsten Jahres an werden 16 neue Airbus-Maschinen die LTU-Passagiere zu den Urlaubszielen bringen, teilte LTU-Airline am Freitag in Düsseldorf mit. Die LTU-Flotte umfasse im Sommer 2002 insgesamt 25 Maschinen, darunter sechs Boeing-Flugzeuge. Der Umbau zur reinen Airbus-Flotte werde Ende 2003 abgeschlossen. (APA/dpa)

Düsseldorf - Nachdem Mitarbeiter und Piloten der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU durch Lohn- und Gehaltsverzicht zur Rettung ihres Unternehmens beigetragen haben, verzichtet jetzt auch die Unternehmensleitung auf zehn Prozent ihres Einkommens. Dies sei seit längerem geplant gewesen, man habe aber mit der Bekanntgabe bis jetzt gewartet, um "dadurch niemanden unter Druck zu setzen", sagte LTU-Chef Sten Daugaard der in Düsseldorf erscheinenden "Westdeutschen Zeitung" (WZ, Freitagsausgabe).

Der Gehaltsverzicht der 30 leitenden Mitarbeiter macht nach Daugaards Worten unter dem Strich "eine knappe Million Mark" (511.292 Euro/7,04 Mill. S) aus. Im WZ-Gespräch zeigte sich Daugaard zuversichtlich, mit der Airline bereits 2003 ein ausgeglichenes operatives Ergebnis und im Jahr 2004 Gewinne "in deutlich zweistelliger Millionenhöhe" erzielen zu können.

Für das Sanierungskonzept habe die Luftfahrtgesellschaft drastisch gespart. Dazu gehöre auch die komplette Streichung mehrerer Flugziele wie beispielsweise Orlando (USA), Colombo (Sri Lanka) sowie alle Ziele in Ägypten. (APA, dpa)

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