Erbärmliche Frauenquote sorgt für Aufstand

19. November 2001, 08:33
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Oberösterreich: Kulturverein FIFTITU% will Frauen im Landeskulturbeirat durchsetzen

"Engagement, Sachverstand und Kreativität der Frauen sind für die Zukunft unseres Landes unverzichtbar. Wir müssen daher entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen in allen Lebensbereichen ihre Fähigkeiten einbringen können."
LH Dr. Josef Pühringer, Zitat aus einem Folder des Büros für Frauenfragen Oberösterreich (OÖ)

Weiters: Der oberösterreichische Landtag hat am 5. Juli 2001 folgenden Beschluss gefasst: "Das am 28. Jänner 1999 vom oberösterreichischen Landtag verabschiedete Leitbild für die Erarbeitung von Normen wird um den Gesichtspunkt des 'Gender mainstreaming' ergänzt."

Aufstand!

Es habe wenig Sinn, für das Jahr 2002 das Jahr der Chancengleichheit für Frauen in OÖ auszurufen - FIFTITU% haben am Freitag bei der konstituierenden Sitzung des Landeskulturbeirates die ordentlichen, männlichen Mitglieder des LKB dazu aufgefordert, zu Gunsten ihrer weiblichen Kolleginnen ihr Mandat zurückzulegen.

Ein Mann habe sich dazu bereit erklärt, doch ein Wechsel kann laut Statut nicht stattfinden. Denn vor der Bestellung des Beirates stimme die Regierung über eine verbindliche Mitgliederliste ab, erklärt Grünen-Kultursprecher Gunther Trübswasser. Nur wenn ein ordentliches Mitglied einmal ausfällt, rückt ein Ersatzmitglied nach.

Vorgeschichte

Wie der Verein FIFTITU% vergangene Woche erfahren hat, wurde jetzt der neue Landeskulturbeirat bestellt. Dieses Gremium wurde als Beratungsgremium für den Landeskulturreferenten Landeshauptmann Josef Pühringer geschaffen und wird alle vier Jahre neu besetzt.

Durch Initiativen von aktiven Frauen in der Kulturszene (v.a. FIFTITU%, KUPF, MAIZ) konnte vor mehr als eineinhalb Jahren erreicht werden, dass in die gesetzliche Grundlage eine "Soll-Bestimmung" für eine Parität der Geschlechter aufgenommen wurde, d.h. dass 50 Prozent der Mitglieder dieses Gremiums Frauen sein sollen, siehe oberösterreichisches Kulturförderungsgesetz über den Landeskulturbeirat (v.a § 7 Absatz 5): "Bei der Zusammensetzung des Landeskulturbeirates und der Fachbeiräte ist eine Ausgewogenheit von männlichen und weiblichen (Ersatz-)Mitgliedern anzustreben. (Anm: LGBl.Nr. 58/2000)"

Sag mir, wo die Frauen sind

Nun wurden die neuen Mitglieder des Landeskulturbeirats vom Landeshauptmann bestellt. Bei den ordentlichen Mitgliedern handelt es sich um 22 Männer (81 Prozent) und nur 5 Frauen (19 Prozent); zum Vergleich: in der letzten Funktionsperiode waren 76 Prozent Männer und 24 Prozent Frauen vertreten. Bei den Ersatzmitgliedern, die nur dann stimmberechigt sind, wenn das entsprechende ordentliche Mitglied ausfällt, wurde offensichtlich auf die Parität wert gelegt - soviel zur Wertigkeit von Frauen durch den Landeshauptmann und die Landeskulturdirektion.

"Für den Verein FIFTITU% ist es untragbar, dass es im Jahr 2001 noch möglich ist, einen Beirat durch die Landesregierung derart zu besetzen, ohne einen Sturm der Entrüstung bei der Landtagspräsidentin, im Büro für Frauenfragen OÖ, bei den Landesparteien und in den Medien auszulösen."
Der aktuelle Frauenbericht 2000 des Büros für Frauenfragen OÖ spricht von "schlechten Chancen für Frauen trotz gestiegener Qualifikationen" - die Neubesetzung des LKB ist ein Beispiel dafür.

Der Verein FIFTITU% hatte bereits im Frühsommer Vorschläge von über 30 kompetenten Frauen eingebracht. Auch die KUPF-Kulturplattform OÖ hat bei ihren Vorschlägen 50 Prozent Frauen vorgeschlagen.
(red)

Verein FIFTITU%
Verein zur Förderung von Kunst und Kultur von Frauen

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