Vom Köter nichts Neues

15. November 2001, 19:59
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Wer über Hunde in der Stadt diskutieren will, ist selber schuld

Wien - Die Frau mit dem rosa Pulli kam zu spät. Eine halbe Stunde. Daran, sich sofort einzumischen, hinderte sie das nicht: Die Verspätung sei themenbezogen: "Ich habe einen Hund verfolgen müssen."

Im Publikum nickten einige: Man kannte sich. Wenn man in Wien über den Stadthund diskutiert, kommen nicht bloß immer dieselben Argumente. Sie werden auch von den immer gleichen Figuren vorgetragen: Zuhören? Also bitte . . .

Mittwochabend gastierte die Tournee in der VHS Galileigasse. Neunter Bezirk. Am Podium versuchten ein Bezirksvorsteher (Hans Benke, SP), eine Bezirksrätin (Sonja Wendel, Grüne), ein Lobbyist (Gerd Weiß, Kynologenverband) und eine Legende (Franz Karl, Ex-VP-Gemeinderat, ehemaliger städtischer "Hundstrümmerlbeauftragter") zu diskutieren - sie wussten schon vorher: sinnlos.

Hunden ausweichen

Denn auf der einen Seite war die Fraktion der Frau mit dem Pulli: "Seit drei Jahren kämpfe ich. Wenn ein Hund auf die Straße macht, heb' ich das auf und gehe Hund und Herrl nach. Dann lege ich es vor die Wohnungstür." Auf der anderen waren die - äh - anderen: Man zahle schließlich Hundesteuer. Wenn einer auf die Straße kotze, putzt er auch nicht selber. Kinder gehören in umzäunte Spielplätze. Und Mütter, die Angst um ihren Nachwuchs haben, sollten dem gefälligst beibringen, Hunden auszuweichen.

Die Kontrolle bestehender Gesetze durch die Polizei zu fordern sei müßig, erklärte Benke: "Damit gewinnt man keine Wahlen." Franz Karl wurde deutlicher. Er verwies auf den großen Hundestreichler: "Dass in Hundefragen nix weitergeht, liegt an der Krone. Aber das trau' ich mich nur sagen, weil hinter meinem ,Gemeinderat' bereits ,außer Dienst' steht." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Print-Ausgabe 16.November 2001)

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