Keine Einigung im Streit über die US-Raketenabwehr

15. November 2001, 20:27
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Bush und Putin über Vorgehen uneins

Crawford - Die USA und Russland haben ihren Streit über die geplante US-Raketenabwehr auf dem vierten Gipfeltreffen ihrer Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin noch nicht beigelegt. Das gaben Bush und Putin bei einem gemeinsamen Aufritt in der High School von Crawford (Texas) in der Nähe der Bush-Ranch kurz vor dem Ende ihrer dreitägigen Beratungen bekannt, die in Washington begonnen hatten. "Wir haben eine Meinungsverschiedenheit", meinte Bush-

Putin vertrat die Auffassung, dass die Zeit in Crawford aber nicht vertan worden sei. Man habe das gleiche Ziel, sei aber uneins über die Methoden, es zu erreichen. Welche endgültige Lösung auch immer gefunden werde, betonte Putin, sie werde die Sicherheit der beiden Länder und der Welt nicht bedrohen. Russland will am ABM-Vertrag von 1972 festhalten, der derartige Defensivsysteme begrenzt, die USA halten ihn für überholt.

Ich mag ihn als Menschen

Bush unterstrich, dass der Gegensatz nichts an dem "neuen Geist" der Beziehungen ändere. Er bezeichnete es als das gemeinsame Ziel, den Terrorismus überall auf der Welt auszurotten. Der US-Präsident bekräftigte seine Kampfansage an die Taliban und die Organisation El Kaida in Afghanistan.

Bush zog eine positive Bilanz des Treffens. Der Gipfel habe die Regierungen der USA und Russlands enger zusammengebracht. Putin sei ein "starker Partner im Kampf gegen den Terrorismus" und ein Mann, der gemeinsam mit den USA die Welt sicherer machen werde. "Wir stimmen nicht in jeder Frage überein, aber ich respektiere ihn und mag ihn als Menschen." Putin nannte Bush einen "Mann, der tut, was er sagt". Wenn der Kurs des gegenseitigen Vertrauens fortgesetzt werde, seien Lösungen in den umstrittenen Fragen gewiss möglich.

Putin reist weiter nach New York

Zum Auftakt des letzten Gipfeltages frühstückten die beiden Politiker am Donnerstag nur in Gesellschaft ihrer Frauen Laura und Ludmilla. Dann zeigte Bush seinen Gästen das 640 Hektar große Ranchgelände. Am Donnerstagnachmittag wurde Putin in New York erwartet, wo er das Trümmerfeld des bei dem Terroranschlag vom 11. September zerstörten World Trade Centers besuchen wollte.

Am Mittwochabend (Ortszeit) hatten die Präsidenten, ihre Frauen und ein ausgewählter Kreis von Gästen auf einer Veranda gemeinsam zu Abend gegessen, musikalisch begleitet von einer Western Swing-Band. Auf dem Weg nach Crawford hatte Putin in Houston, der ersten Station in Texas, für ein stärkeres Engagement amerikanischer Unternehmer und Investoren in seinem Land geworben.

Putin willl mehr Mitsprache bei NATO-Entscheidungen

Der Kremlchef wiederholte außerdem die russische Forderung nach einer stärkeren Beteiligung an Beschlüssen der NATO, um ein wirksamer Partner im Anti-Terror-Kampf sein zu können. Moskau hat bisher nur Beobachterstatus. In einer in Washington herausgegebenen gemeinsamen Erklärung hatten Bush und Putin die Absicht geäußert, nach Wegen zu suchen, um die Konsultationen zwischen dem Bündnis und Russland zu verbessern.

Die beiden Präsidenten hatten in Washington auch die Verringerung der Nuklearsprengköpfe beider Seiten um jeweils zwei Drittel in den nächsten zehn Jahren angekündigt. Anders als Bush möchte Putin aber, dass über die Reduzierungen ein fester Vertrag abgeschlossen wird. Bush will die Zahl der rund 7000 einsatzbereiten Atomsprengköpfe über einen Zehn-Jahres-Zeitraum um rund zwei Drittel auf 1700 bis 2200 senken.

Putin stellte einen ähnlichen Schritt in Aussicht, der den Bestand von derzeit rund 5800 auf etwas mehr als 1900 Sprengköpfe verringern würde. Früher hatte Moskau bereits eine Verringerung auf 1500 angeboten. (APA/dpa/Reuters)

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