Gold der Puszta, einkünftereich

15. November 2001, 19:18
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Kumpf-Schau im Palais Harrach

Wien - Der burgenländische Mensch ist klein, kurzgliedrig und amorph füllig. Seine Knollennase kann als Variation auf die erdverbundene Leibesmitte gesehen werden. Ob der burgenländische Mensch sich seine Behausungen nach seinem Ebenbild geschaffen hat oder die Proportionen Österreichs östlichster Körper sich vom Rund der Kellergewölbe ableiteten, in denen der burgenländische Mensch sich zur laufenden Qualitätskontrolle der dort heranreifenden Weine, die wiederum das Wuchern der Nasen begünstigen, immer dann aufhält, wenn er nicht gerade Löffler im Sonnenuntergang über der Langen Lacke beobachtet, weiß Gott. Der Oberste Urheber des burgenländischen Menschen ist Gottfried Kumpf.

Der hat so lange am Bild der Welt vom Burgenland gearbeitet, bis der burgenländische Mensch ein Einsehen hatte und begann, sich bildgemäß einzurichten. So kam es zur Raststätte an der A4 in Göttlesbrunn. So kam es zur Therme in Stegersbach. Aus ehrfürchtiger Dankbarkeit für sein gesund-rundes Weltbild hat der burgenländische Mensch eine Gasse nach seinem Urheber benannt: die Gottfried-Kumpf-Gasse in Breitenbrunn.

Das konnte einem, der auf dem Weg zum Obersten Urheber zumindest des österreichischen Kulturlebens ist, nicht entgehen. Hofrat Wilfried Seipel begrüßt die Gäste der großen Gottfried-Kumpf-Ausstellung im Palais Harrach, das zum Kunsthistorischen Museum gehört, dessen Direktor er ist. Und Gottfried Kumpf trägt das KHM-Logo als Krone. Und bei einer Weltmarke muss man schon annehmen, dass KHM drin ist, wo KHM draufsteht. Auch wenn sich KHM-online ein bisserl geniert und Kumpf verschweigt. Und noch etwas: Viel mehr noch als Künstler ist Gottfried Kumpf ein Marketing- und Merchandising-Spezialist, und die sind sehr begehrt im ersten Haus am Ring.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 11. 2001)

 Von
 Markus
 Mittringer


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