Die Weltwirtschaft stagniert

16. November 2001, 10:10
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Internationaler Währungsfonds revidiert Prognose für USA deutlich nach unten

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft erneut nach unten revidiert. Der Fonds gehe in diesem und im nächsten Jahr nur noch von einem globalen Wachstum von jeweils 2,4 Prozent aus, sagte IWF-Chef Horst Köhler am Donnerstag in Washington. Im Oktober hatte der IWF für 2001 noch 2,6 Prozent und für das kommende Jahr 3,5 Prozent Wachstum vorausgesagt.

Für die Europäische Union (EU) nahm der IWF seine Prognose für 2001 auf 1,7 (1,8) Prozent zurück, für 2002 senkte er sie auf 1,4 (2,2) Prozent. Für die USA erwartet der Fonds dieses Jahr 1,1 (1,3) Prozent und 2002 ein Wachstum von 0,7 (2,2) Prozent.

Die Lage sei schwierig, aber beherrschbar, sagte Köhler. Trotz der großen Unsicherheit erwarte der IWF im kommenden Jahr weiter eine Erholung der Weltwirtschaft.

Die Lage der Weltwirtschaft wird auch Thema des G-20-Ministertreffens sein. In deutschen Ministeriumskreisen war von einem derzeit "synchronisierten Abschwung" weltweit die Rede. Die aktuelle Lage sei durch ein außerordentlich hohes Maß an Unsicherheit gekennzeichnet. Insbesondere die psychologischen Folgen der Anschläge in den USA seien immer noch nicht in ihrer Gänze absehbar. Positive Anzeichen kämen vor allem von der moderaten Preisentwicklung und den rückläufigen Ölpreisen.

Die Auswirkungen der angekündigten Öl-Förderkürzung in der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) dürften nicht sonderlich groß sein.

Wichtig sei für die Weltwirtschaft, wann in den USA wieder eine stärkere Belebung greife, hieß es. Mehrheitlich rechne man Mitte 2002 damit. Die USA sollte vor allem von dem Riesen-Konjunkturpaket der Regierung und von den Zinssenkungen der letzten Monate profitieren.

Ein weiteres Thema bei dem G-20-Treffen in Ottawa wird nach Angaben aus Ministeriumskreisen das Austrocknen der Finanzquellen des internationalen Terrorismus sein. Hier wolle man in Ottawa sehr konkrete Aktionspläne, auch hinsichtlich der zeitlichen Vorgaben, vereinbaren.

Bei dem Treffen zur Sprache kommen könnten auch die Finanzprobleme des hoch verschuldeten Argentinien, ohne das allerdings mit einer Einigung in dieser Frage zu rechnen sei. Eine zentrale Rolle spielten dabei Vereinbarungen zwischen dem IWF und Argentiniens über Hilfen bei der Lösung der Schuldenprobleme des Landes. Jedenfalls sei Eile geboten. Darüber hinaus werden sich die G-20-Minister noch mit den Folgen der Globalisierung beschäftigen. Der G-20 gehören die sieben wichtigsten Industrieländer, Russland, China und eine Reihe weiterer wichtiger Schwellenländer - darunter Brasilien, Argentinien und Indien - an. (Reuters)

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