Bei Böhler-Uddeholm droht Personalabbau

16. November 2001, 13:53
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Edelstahlkonzern hat mit Abkühlung der Konjunktur zu kämpfen

Wien - Bei Böhler-Uddeholm droht ein Stellenabbau. Der börsenotierte Edelstahlkonzern, der nach dem Rekordjahr 2000 heuer das zweitbeste Ergebnis in der Firmengeschichte erwartet, steht wegen der zunehmend spürbaren Abkühlung der Konjunktur vor einem schwierigen Jahr 2002, das merkliche Umsatz- und Gewinneinbußen bescheren werde. Für den Fall, dass der Auftragseingang wie zuletzt im dritten Quartal 2001 weiter rückläufig sein sollte, schließt Vorstandschef Claus Raidl Kündigungen nicht aus.

"Atmen mit der Konjunktur"

Auf das mögliche Ausmaß eines Personalabbaus wollte sich Raidl Donnerstagabend vor Journalisten jedoch nicht festlegen lassen: "Die Belegschaft wird reduziert, wenn es der Markt verlangt. Wir atmen mit der Konjunktur auch bei der Beschäftigung." Böhler beschäftigte in den ersten drei Quartalen 2001 weltweit 9.332 Mitarbeiter, um vier Prozent mehr als im Vorjahr. Den höheren Personalstand begründete Finanzvorstand Horst Königslehner vor allem mit der Akquisition von kleineren Handelsfirmen und Härtereien (unter anderem in Österreich, Italien, Südafrika und der Türkei).

Sortimentsverschiebung

Die für 2002 erwarteten konjunkturellen Widrigkeiten - Amerika und Europa werden im gesamten Jahr schwach gesehen - will Raidl nicht nur mit einer "flexiblen Personalpolitik", sondern auch mit einer weiter forcierten Sortimentsverschiebung in höherwertige Produkte abfedern. Bereits in den letzten vier Jahren habe man viel in neue Qualitäten investiert. "Diese Investitionen machen uns konjunkturunabhängiger", so Raidl. 2002 werde man daher ähnlich viel wie 2001 (130 bis 140 Mill. Euro) in die Verlängerung der Wertschöpfungskette investieren, heuer seien bisher 90 Mill. Euro geflossen.

Ausbaupläne auf Eis gelegt

Seine Ausbaupläne für eine der insgesamt vier Geschäftssparten, die Schmiedetechnik, die der Flugzeugindustrie und dem Energiesektor zuliefert, hat das österreichisch-schwedische Unternehmen nach den Terroranschlägen in den USA unterdessen auf Eis gelegt. Bis dahin sei geplant gewesen, den Jahresumsatz (1,3 Mrd. S) der kleinsten, aber wachstumsstärksten Konzerndivision in den nächsten drei bis fünf Jahren zu verdoppeln. Wegen der Luftfahrt-Krise sei dieses Ziel nun zurückgestellt, so Raidl. Beliefert werden vor allem die beiden großen Flugzeugbauer Boeing und Airbus mit geschmiedeten Edelstahlkomponenten.

KV-Abschluss "verkraftbar"

Zum Metaller-KV-Abschluss der heurigen Herbstlohnrunde meinte Raidl, dass dieser für Böhler-Uddeholm "verkraftbar" sei. Insgesamt koste die Erhöhung der Ist-Löhne um 2,9 Prozent dem Konzern 78 Mill. S (5,7 Mill. Euro).

"Sehr positiv" sieht Raidl, "dass österreichische Investoren bei uns langfristig eingestiegen sind und uns ihr Vertrauen schenken". Eine Investoren-Gruppe rund um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries hat sich seit dem Frühjahr 2001 bei Böhler-Uddeholm eingekauft und ist mit derzeit knapp mehr als 22 Prozent nicht mehr weit von einer Sperrminorität entfernt. Größter Aktionär ist die staatliche ÖIAG, die zu 25 Prozent beteiligt ist und nach Raidls Einschätzung von der Fries-Gruppe bereits bei der nächsten Hauptversammlung im Mai 2002 bei Anträgen überstimmt werden könnte.

Bei Aktienrückkauf bisher 1,23 Prozent vom Grundkapital zurückerworben

Im Zuge des Aktienrückkaufs, der seit 4. Oktober 2000 läuft, hat Böhler-Uddeholm nach Angaben von Finanzchef Königslehner bisher rund 135.000 Aktien oder 1,23 Prozent des Grundkapitals zurückerworben. Geplant ist, bis 14. November 2002 insgesamt bis zu 660.000 Aktien (sechs Prozent) zurückzukaufen. Der Aktienrückkauf dient einem Stock Option-Plan für 62 Manager des Böhler-Uddeholm-Konzerns. An der Wiener Börse notierte die Böhler-Uddeholm-Aktie Freitag Nachmittag mit 44 Euro unverändert gegenüber dem Schlusskurs des Vortages. Seit Jahresbeginn hat der Stahltitel fast 30 Prozent an Wert zugelegt. (APA)

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