Union sagt Bioterrorismus Kampf an

15. November 2001, 18:15
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Mitgliedsländer beschließen Expertennetz für Infoaustausch und Risikobewertung

Brüssel - Die Mitgliedsländer der Europäischen Union wollen ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen die Gefahren des Bioterrorismus verstärken. Die EU-Gesundheitsminister stimmten am Donnerstag in Brüssel geschlossen dafür, ein Expertennetz ins Leben zu rufen, das für den Informationsaustausch und die Risikobewertung möglicher Anschläge mit Viren zuständig sein soll. In der gemeinsamen Erklärung wurde außerdem die Schaffung einer Informationsstelle zu den in der EU vorhandenen Impfstoffen und Medikamenten angeregt sowie die forcierte Weiterentwicklung von Behandlungsmöglichkeiten gegen Infektionskrankheiten.

Ein koordiniertes Vorgehen von militärischen und zivilen Schutzeinrichtungen sei zweckmäßig, betonte Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) in Brüssel. Es müssten aber Experten einbezogen werden, damit die beschlossenen Maßnahmen auch konkret umsetzbar seien.

Auch Deutschland sprach sich bei dem Treffen ausdrücklich für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen mögliche Terroranschläge mit Viren aus. "Nur dann werden wir in der Lage sein, möglichen Attacken auch entsprechend zu begegnen", sagte Staatssekretär Klaus Theo Schröder.

Grundlage der jetzt vorgeschlagenen neuen Mechanismen gegen den Bioterrorismus ist ein seit 1999 bestehende EU-Netz zur Erkennung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten wie Tuberkulose, Typhus oder Aids. Dazu gehört auch ein Meldesystem zur Warnung der Gesundheitsbehörden in den Staaten der EU vor möglicherweise grenzüberschreitenden Krankheiten.

EU-Gesundheitskommissar David Byrne hatte erst kürzlich angesichts der Milzbrand-Infektionen in den USA auf die möglichen Gefahren durch Bioterrorismus auch in der Union hingewiesen. Dabei hatte er die Schaffung einer Gemeinschaftsagentur angeregt, die die Maßnahmen gegen übertragbare Krankheiten bündeln könnte.

Vor einer Woche hatten sich die Gesundheitsminister aus Kanada, den USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Mexiko in Ottawa nach Angaben der EU-Kommission auf einen gemeinsamen Sicherheitsplan zur Verbesserung des Schutzes vor Gesundheitsbedrohungen durch Bioterrorismus geeinigt. Dabei geht es um die Entwicklung gemeinsamer Warnmechanismen, um gegebenenfalls gemeinsam reagieren zu können. "Wenn beispielsweise irgendwo auf der Welt eine Pockenepidemie ausbricht, sind sämtliche Länder weltweit gefährdet", hieß es seitens der EU-Kommission.(APA/dpa)

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    montage: derstandard.at
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