Verzetnitsch will als ÖGB-Präsident wieder kandidieren

15. November 2001, 15:38
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Zufrieden über ÖGB-Reform - Drei Blöcke sollen entstehen

Wien - Durchaus zufrieden mit der im Vorstand beschlossenen ÖGB-Reform hat sich Donnerstag Nachmittag Präsident Fritz Verzetnitsch gezeigt. Seiner Ansicht nach wird durch die Neustrukturierung eine höhere Schlagkraft des Gewerkschaftsbundes erreicht. Persönlich sieht sich Verzetnitsch "weder gestärkt noch geschwächt". An der Funktion des Präsidenten sei bei der Sitzung auch nicht gerüttelt worden. So will Verzetnitsch beim Bundeskongress 2003 auch erneut kandidieren. Seine Erfolgschancen dabei schätzt der ÖGB-Chef gut ein: "Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht in unsichere Angelegenheiten hineingehe."

Dass durch die geplanten Fusionen bzw. Kooperationen schon vor der heutigen Bundesvorstandssitzung vollendete Tatsachen geschaffen wurden, bestritten Verzetnitsch und der Leiter des Organisationsausschusses, Günter Weninger, nicht. Allerdings verwiesen sie darauf, dass der gesamte Prozess erst durch die Initiativen der entsprechenden Gremien im ÖGB Anfang des Jahres möglich geworden sei: "Wer sich bewegt hat, ist ja nicht die Frage", bewertete Verzetnitsch die Debatte.

Drei Blöcke

Verzetnitsch und Weninger gingen davon aus, dass künftig drei Blöcke entstehen werden: Einerseits die Gruppe um Metaller und GPA, andererseits die Allianz rund um Eisenbahner und Gemeindebedienstete sowie die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. Die Teilgewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe wird sich dem zweiten Block anschließen, die Chemiearbeiter konnten sich bisher nicht entscheiden. Allerdings meinte Weninger, er habe sehr deutlich gemacht, dass diese Teilorganisation sich der Gruppe rund um Metaller und GPA anschließen sollte. Er vertrete die Auffassung, dass diese Teilorganisation angesichts ihrer geringen Mitgliederzahl nicht alleine bleiben könne und zu dieser neuen Großgewerkschaft passe.

Besonders unterstrichen wurde von den Gewerkschaftsspitzen das Ziel "eine gewerkschaftlichen Betreuung pro Betrieb". Dies werde innerhalb der gebildeten Allianzen kein Problem mehr sein, erklärte Weninger. Wo es Überschneidungen zwischen den Blöcken gebe, müsse man sich noch absprechen. Erfreut zeigte man sich auch über das Bekenntnis zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften, wo die einzelnen Gewerkschaften bei bestimmten Themen Kooperationen eingehen sollen. Als Beispiele genannt werden im ÖGB-Papier u.a. die Sektoren Verkehr, Soziales und Gesundheit oder Infrastruktur/Bauen/Wohnen.

Eisenbahner-Block noch unklar

Noch nicht beschlossene Sache ist, ob sich der zweite Block rund um die Eisenbahner auch zu einer Großgewerkschaft zusammenschließen will. Dies werde die Entwicklung zeigen, meinten sowohl Verzetnitsch als auch Weninger. Bereits jetzt festgelegt wurden ein Projektname sowie ein Sprecher der Allianz. Letztere Rolle wird Weninger, der Vorsitzende der Gemeindebedienstetengewerkschaft, übernehmen. Der Arbeitstitel für die Allianz lautet: "Infra". (APA)

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