Stammesführer fordern Taliban zu Machtverzicht auf

15. November 2001, 19:42
posten

Regierung unter Führung von König Zahir Shah gefordert

Quetta - Afghanische Stammesführer und frühere Kriegsherren haben die Taliban am Donnerstag zum Verzicht auf die Macht aufgerufen, um weitere Blutvergießen zu vermeiden. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der pakistanischen Grenzstadt Quetta erklärten sie: "Sie (die Taliban) sollten aufgeben, um weiteres Blutvergießen in Afghanistan zu vermeiden und den Weg für eine starke und stabile nationale Regierung unter Führung von König Zahir Shah freizumachen." Dieser war 1973 gestürzt worden und lebt seitdem in Rom im Exil.

Die afghanischen Führungspersönlichkeiten wollen eine Delegation zum Talibanchef Mullah Mohammed Omar senden, um ihn zur Aufgabe zu bewegen. "Wir haben eine Botschaft an Mullah Omar und seine Militärkommandeure auf den Weg gebracht, dass es im Interesse der Paschtunen ist, dass sich die Taliban ergeben, weil die Afghanen nicht wollen, dass (die Talibanhochburg) Kandahar unter der Kontrolle ihrer Miliz bleibt", sagte einer der Stammesführer.

UNHCR rechnet mit neuem Flüchtlingsstrom

Diese bezeichneten den von den Taliban geschützten Osama bin Laden als "Terroristen", der nicht nur von den USA, sondern auch von den Afghanen gesucht werde, weil er für den Tod vieler unschuldiger Menschen und die Zerstörung Afghanistan mitverantwortlich sei. "Als erstes werden wir Afghanistan von ausländischen Terroristen säubern und dem kriegsgeschüttelten Land Frieden bringen", sagte Hadschi Chalik Nurzei, Stammesführer aus der westafghanischen Provinz Farah.

Nach dem Zusammenbruch des Taliban-Herrschaft in Afghanistan rechnet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen mit einem neuen Flüchtlingsstrom aus dem Süden des Landes. Tausende Flüchtlinge aus der Taliban-Hochburg Kandahar und der Nachbarprovinz Heimand versuchten zur Zeit, über die Grenze nach Pakistan zu gelangen, sagte ein UNHCR-Sprecher am Donnerstag in Islamabad. Nach seinen Angaben hat das UNHCR vorsorglich drei Lager eingerichtet, drei weitere seien noch im Aufbau.

Im Süden Afghanistans leben vor allem Patschunen, deren Volksstamm in der Nordallianz kaum vertreten ist. Pakistan verfügt ebenfalls über einen großen paschtunischen Bevölkerungsanteil, befürchtet aber, gemeinsam mit den neuen Flüchtlingen könnten auch Kämpfer der Taliban über die Grenze gelangen und für Unruhe sorgen. Staatschef Pervez Musharraf unterstrich bereits am Dienstag, dass sein Land nicht zur Aufnahme der Taliban bereit sei. Vorsorglich wurden am Mittwoch die Kontrollen entlang der gemeinsamen Grenze verstärkt. (APA/dpa)

Share if you care.