Der Tod wird jünger

15. November 2001, 19:03
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Peter Ruzicka und Jürgen Flimm präsentierten ihr Programm für Salzburg 2002

Salzburg - Peter Ruzicka, der neue Intendant der Salzburger Festspiele, und sein Schauspielchef Jürgen Flimm hegen den Wunsch, die Bearbeitung von Thomas Wolfes Herrenhaus, die Thomas Bernhard 1957 als Student des Mozarteums verfasste, zur Uraufführung zu bringen. Das Manuskript, dessen Existenz jahrelang bezweifelt wurde, wird, wie der STANDARD berichtete, von zwei Antiquariaten zum Kauf angeboten. Man habe, sagt Flimm, Verhandlungen aufgenommen, er sei allerdings skeptisch, ob man erfolgreich sein werde. Schließlich sei der letzte Wille des Autors zu respektieren.

Konkret hingegen ist der Spielplan für 2002, den Ruzicka am Donnerstag vorstellte. Wie berichtet, werden die Festspiele am 27. Juli mit einer Inszenierung von Mozarts Don Giovanni unter Nikolaus Harnoncourt eröffnet. Die Regie besorgt Martin Kusej, der für ein aufgeklärtes Theater stehe, das aus dem "Bannkreis der Postmoderne" herausführe. Diese Produktion bildet auch den Beginn der "Salzburger Dramaturgie": Ruzicka versteht darunter eine Zusammenarbeit von Dirigent und Regisseur von Anfang an.

Der Schwerpunkt mit Werken von Exilkomponisten startet mit Alexander Zemlinskys Der König Kandaules unter Kent Nagano (Regie: Christine Mielitz, Bühnenbild: Alfred Hrdlicka). Achim Freyer wird die Zauberflöte inszenieren, Turandot erhält einen neuen Schluss, der von Luciano Berio nach Puccini-Skizzen erstellt wurde. Und einen "zweiten Blick" auf das Werk von Richard Strauss will Ruzicka mit einem Zyklus wagen. Den Auftakt bildet Die Liebe der Danae. Abgeschlossen wird die Saison 2002 mit Helmut Lachenmanns Das Mädchen mit den Schwefelhölzern.

Christian Stückl wagt sich an den Jedermann heran: Er will dem "nicht mehr ganz jungen" Peter Simonischek einen sehr jungen Tod (Jens Harzer) entgegenstellen. Tobias Moretti gibt den Guten Gesell und den Teufel, Veronica Ferres die Buhlschaft, Sunnyi Melles den Glauben.

Das Landestheater soll für traditionelles Theater reserviert bleiben, kündigte Flimm an. Den Auftakt bildet Da Ponte in Santa Fe von Peter Turrini (Regie: Claus Peymann), Andrea Breth inszeniert Schnitzlers Das weite Land. Die Pernerinsel in Hallein wird in Hinkunft für Tanztheater stehen: Joachim Schlömer zeigt 2002 Senza Fine und die Uraufführung von The Day I Go to the Body.

Als "Festival im Festival" will Flimm die in Mühlheim prämierten Produktionen präsentieren. Als "Dichter zu Gast" sein wird Robert Gernhardt. Und Arbeiten junger Regisseure (Falk Richter, Oskaras Korsunovas, Frederic Fisbach) werden im Rahmen des "Young Directors Project" vorgestellt. Das Konzertprogramm ist eng mit dem Opernspielplan verwoben.

Insgesamt werden 210.000 Karten aufgelegt, die Eintrittspreise wurden um 1,5 Prozent erhöht.
(poh, trenk, APA / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 11. 2001)

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