2002 wird "extrem schwieriges Jahr"

15. November 2001, 17:06
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Nur wenige große Fluggesellschaften werden langfristig überleben

Wien - Die derzeitige Krise der internationalen Luftfahrt wird noch länger anhalten. "Auch das Jahr 2002 wird ganz extrem schwierig", sagte Ulrich Wachter, zuständiger Leiter des Europageschäfts bei der Lufthansa Passage Airline, am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Die Lufthansa habe in sechs Wochen 43 Flieger aus dem Verkehr gezogen und unrentable Destinationen still gelegt. Im Nordatlantikverkehr habe die Lufthansa die Kapazitäten um 30 Prozent zurückfahren müssen.

Die Rückgänge in Österreich, dem siebtwichtigsten Lufthansa-Markt, seien dagegen relativ glimpflich ausgefallen. Hier liege die Entwicklung zwar unter den Planungen, "aber noch fast im grünen Bereich". Die Österreicher hätten seit den Attentaten kaum Flugangst gezeigt, zudem wirke das starke Geschäft mit Mittel- und Osteuropa als Stütze. Die Reformländer seien ebenso wie Russland und die GUS von der wirtschaftlichen Abschwächung kaum betroffen, sagte Wachter. Als ebenso krisenresistent habe sich China erwiesen.

"Nur noch vier oder fünf große Fluggesellschaften"

Wie EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio erwartet auch der Lufthansa-Manager, dass es in Europa in einigen Jahren nur noch "drei, vier oder fünf große interkontinentale Fluggesellschaften" anstatt der heutigen 25 Airlines geben wird. Dazu werden noch kleinere und größere Regionalgesellschaften kommen, die in erster Linie Sekundärstrecken bedienen und die Drehkreuze/Hubs der großen Gesellschaften beliefern werden. Der Zeithorizont sei auf Grund der unklaren Konjunktur offen. Die EU solle die Möglichkeit zur Konsolidierung der europäischen Luftfahrt bieten, anstatt diese wie bisher zu verhindern.

Ebenfalls noch länger mitspielen im internationalen Konzert werden die Billigfluggesellschaften. Die ursprüngliche Einschätzung, es handle sich dabei nur um eine "Zeiterscheinung", sei falsch gewesen. Die Lufthansa fürchtet sich nicht vor den Billig-Carriern, die "uns schon ein kleines Bisschen weg essen", wie Wachter einräumt. Die Lufthansa habe Pläne für eine eigene Billiglinie in der Schublade, am sinnvollsten wäre aber der Einstieg in eine bestehende Gesellschaft. Das wäre aber teuer gekommen und sei überdies nicht auf Gegenliebe gestoßen, zu groß seien die Unterschiede im Konzept und in der "Denke", so Wachter. Mit dem Ende der britischen Hochkonjunktur würden auch die Zeiten für die Billig-Airlines schwieriger werden.

Die derzeitigen Luftfahrt-Allianzen seien angesichts der schwierigen Situation "auf die Probe gestellt". Die Star Alliance, der neben der Lufthansa auch die AUA-Gruppe mit AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways angehört, sei derzeit vorrangig mit ihrer eigenen Integration befasst. Erweiterungen seien für die nächsten zwölf Monate ebenso wenig geplant wie Kapitalverflechtungen. Mit den Mitgliedern der auseinanderbrechenden Qualiflyer-Gruppe um die Swissair gebe es derzeit keine konkreten Gespräche, wohl aber sei eine "Schmalspur-Kooperation" mit der polnischen Lot geplant. Die derzeit lose Form der Kooperation innerhalb der Allianzen habe durchaus auch ihre Vorteile, denn so versuche jeder, seine Bilanz in Ordnung zu halten. (APA)

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