Arbeitsmarkt braucht dringend qualifizierte Spitzenkräfte

15. November 2001, 14:46
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Verschärfung des Problems in Sicht

Wien - Um dem Bedarf der Wirtschaft nach qualitativen Spitzenkräften nachzukommen, will die Wirtschaftskammer das Potenzial von Frauen und älteren Arbeitskräften verstärkt aktivieren. Trotz derzeit wieder steigender Arbeitslosenzahlen werden nach wie vor Schlüsselkräfte gesucht, 30 Prozent der Arbeitgeber brauchen qualifizierte Mitarbeiter, betonte der stellvertretende Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Reinhold Mitterlehner, am Donnerstag vor Journalisten. Jeder zweite Unternehmer hält das Arbeitskräfteangebot in Österreich für unzureichend.

Demographische Entwicklung fördert Abnahme der älteren Qualifizierten

Es gebe zwar aktuell quantitativ mehr Arbeitslose, qualitativ und regional bestehe aber ein Arbeitskräftemangel betonte Mitterlehner. Dieser werde sich auf Grund der demografischen Entwicklung weiter verschärfen. Während jetzt 62,6 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 59 Jahre ist, wird der Anteil dieser Gruppe in 30 Jahren auf 50 Prozent sinkt, 30 bis 40 Prozent werden älter als 60 Jahre sein. Um den bis zum Jahr 2005 errechneten Arbeitskräftebedarf von 165.000 zu kompensieren, sei "jetzt ein Umrüsten" des Arbeitsmarktes notwendig, so Mitterlehner. So soll die Beschäftigung von Älteren zwischen 50 und 64 Jahren auf EU-Auftrag bis 2010 auf 50 Prozent angehoben werden. Mit einem Anteil von derzeit 28 Prozent nimmt Österreich in diesem Bereich im EU-Ranking den drittschlechtesten Platz ein. Die Beschäftigungsquote bei den 60 bis 64 Prozent liegt bei 13 Prozent.

Qualifizierte Gegenmaßnahme für Ältere, Mobilisierung qualifizierter Mütter

Als Gegenstrategie schlägt Mitterlehner neben einer Änderung des Bewußtseinsbildes eine höhere Absetzbarkeit (130 Prozent) für Qualifizierungsmaßnahmen für Ältere vor. Geplant ist weiters eine "Agentur für ältere Arbeitnehmer", die im Rahmen der AMS-Reform entstehen könnte. Zur Mobilisierung qualifizierter Frauen schlägt Mitterlehner die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuung und Haushaltshilfen vor. Dies müsste mittelfristig in die Steuerreform einbezogen werden. Als Pilotprojekt läuft derzeit die Aktion "Kinderscheck". Dabei stellen Betriebe monatlich einen Scheck im Wert von 2.000 S (145 Euro) zur Verfügung, der zur Betreuung eingelöst werden kann. Zum Thema Abfertigung meinte Mitterlehner, derzeit wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet, die an die Sozialpartner Fragen wie z.B. zur Rückstellung, Übergangsfristen usw. stellen. Die Eckpunkte sollten dann Ende November feststehen. Dann werde man das entsprechende Gesetz ändern müssen und parallel dazu Gespräche mit den Banken und Versicherungen führen.

Der Gesetzesentwurf könnte noch heuer vorliegen und der Beschluss nächstes Jahr fallen. Im kommenden Juli könnte das Gesetz dann in Kraft treten. Zur Diskussion um die AMS-Reserven von 1,5 Mrd. S meint Mitterlehner, diese sollten nicht vom Finanzminister abgeschöpft werden, sondern lieber für Schulungen verwendet werden. Eine Entscheidung darüber sei spätestens im Dezember zu erwarten. (APA)

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