Schröder und Schily im Umfrage-Minus

15. November 2001, 14:51
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Abstand zwischen dem Kanzler und CDU-Favoriten Stoiber geringer

Mainz - Die Regierungskrise in Deutschland wirkt sich negativ auf das Ansehen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seines Kabinetts aus. Nach dem am Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometer mussten der Kanzler und seine Minister durchgängig Einbußen hinnehmen. Schröder rutschte mit einem Wert von 1,9 auf Platz zwei (Oktober 2,5) der Rangliste der wichtigsten Politiker. Auf Platz eins lag Außenminister Joschka Fischer (Grüne) mit einem Wert von 2,1 (Oktober 2,3). Auch CSU-Chef Edmund Stoiber verlor leicht und kam mit der Note 1,2 auf Platz drei (Oktober 1,4), gefolgt von Finanzminister Hans Eichel (0,9/Oktober 1,2).

Schlechte Werte gab es auch für Innenminister Otto Schily (SPD), der von 1,4 auf 0,8 rutschte. Die Frage nach einem Bundeswehreinsatz im Anti-Terror-Kampf ergab große Ost-West-Unterschiede: Im Westen gibt es eine klare Mehrheit für den Einsatz, im Osten eine klare Ablehnung der Mission.

Die Frage, ob die Grünen in der Regierung bleiben sollten, beantworteten 48 Prozent aller Befragten mit Ja, 46 Prozent mit Nein. Bei den SPD-Anhängern waren 60 Prozent dafür, bei denen der Grünen 92 Prozent. Die so genannte Sonntagsfrage ergab nur für die PDS Veränderungen im Vergleich zum Oktober. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würde sie sich der Umfrage zufolge von fünf auf sechs Prozent verbessern. Die SPD blieb bei 41 Prozent, die Union bei 38, die FDP bei sieben und die Grünen bei fünf Prozent.

In der Rangfolge der wichtigsten Politiker büßten auf den weiteren Plätzen auch FDP-Chef Guido Westerwelle, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) geringfügig Punkte ein. Deutlich schlechter bewertet wurde Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD), der sich von 0,0 Punkten im Oktober auf minus 0,5 verschlechterte und damit den letzten Rang einnahm. Verbessern konnte sich demnach als einziger der PDS-Politiker Gregor Gysi, der von minus 0,5 auf minus 0,1 zulegte und vom letzten auf den vorletzten Platz kam.

Bei der Frage nach dem bevorzugten Kanzlerkandidaten verringerte sich demnach der Abstand zwischen Schröder und Stoiber. Für den Fall, dass der CSU-Chef antritt, sprachen sich 51 Prozent der Befragten für Schröder aus (minus fünf Prozentpunkte) und 40 Prozent für Stoiber (plus drei Prozentpunkte). Für den Fall, dass Merkel gegen Schröder antritt, hätte der Kanzler dagegen weiterhin einen sicheren Vorsprung: 65 Prozent sprachen sich für ihn aus (Oktober 67 Prozent), für Merkel waren es unverändert 25 Prozent. Bei einem Zweikampf zwischen dem Kanzler und dem früheren CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble würden auf Schröder 61 und auf Schäuble 29 Prozent entfallen. Bei der Frage nach dem Profil der drei möglichen Unionskandidaten entfielen jeweils die besten Werte auf Stoiber.

Ein Bundeswehreinsatz im Kampf gegen den Terrorismus wurde von 59 Prozent der Befragten mit Ja beantwortet. Allerdings gab es nur im Westen mit 64 zu 31 Prozent eine klare Mehrheit. Im Osten sprachen sich 57 Prozent dagegen aus, nur 39 Prozent waren dafür. Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte von Montag bis Mittwoch dieser Woche 1098 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.(APA/AFP)

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