Jörg Haiders Reisen in das Morgenland

16. November 2001, 20:26
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Wirtschaft sieht "noch keinen Nutzen"

Klagenfurt - Eben erst von seinem dritten Libyen-Trip mit Verteidigungsminister Herbert Scheibner an die heimischen Gestade zurückgekehrt, zog es Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider schon wieder ins ferne Morgenland. Diesmal aber brach er nur mit engstem Gefolge auf: Gattin Claudia, Pressesprecher Karl-Heinz Petritz, Ex-FPÖ-Geschäftsführer Gerald Mikscha sowie ein Journalist vom ORF-Landesstudio Kärnten.

Unterwegs war man wieder in einem Lear-Jet der Firma Rogner, gechartert von Hans-Peter Haselsteiners Goldeck-Air. Wer die Reise bezahlt hat, will Haider nicht verraten. Es seien "Freunde", die nur einen erfolgreichen Landeshauptmann unterstützen wollen.

Heimgekehrt von der siebentägigen Tour de Force mit der kleinen Siebensitzer-Maschine durch Ägypten, Syrien, Kuwait und Iran berichtete Haider von erfolgreichen politischen und wirtschaftlichen Kontakten, die Österreich und Kärnten zugute kämen: Tourismus- und Hightech-Kooperationen, und von Milliardenprojekten in Iran, darunter einem Staudamm-Projekt mit der VA Tech, das bislang scheiterte, weil die Kontrollbank die Garantien verweigerte.

Daheim stoßen Haiders häufige Reisen in den Nahen Osten auf Kritik. Ein wirtschaftlicher Nutzen für Kärnten sei "derzeit nicht erkennbar", meint Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher. "Er soll lieber daheim seine Arbeit tun." Zudem lasse Haider bei seinen Reisen die Außenhandelsstellen der Wirtschaftskammer "völlig links" liegen. "Niemand weiß, was er tut oder plant", ärgert man sich auch bei den Industriellen. Wirtschaftslandesrat Karl Pfeifenberger, im Vorjahr mit Haider in Russland, um ein Geschäft mit Mig-Flugzeugen aufzureißen, kontert: "Das sind Projekte, die weit über unseren Horizont hinausreichen, so was geht nicht in kurzer Zeit." (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18. November 2001)

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