Bayer will mit neuem Potenzmittel Milliardenumsatz erzielen

15. November 2001, 15:17
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Vertrieb von Viagra-Konkurrenzmittel Vardenafil zusammen mit GlaxoSmithKline

Leverkusen/London - Der Bayer-Konzern will gemeinsam mit dem britischen Branchenriesen GlaxoSmithKline (GSK) den Markt für Potenzmittel aufrollen. Wie beide Unternehmen am Donnerstag in Leverkusen und London mitteilten, wollen sie gemeinsam das Viagra-Konkurrenzprodukt Vardenafil vermarkten. Dieses wurde von Bayer entwickelt, auch die Produktion soll von den Leverkusenern übernommen werden. Marketing und Vertrieb aber wollen die Partner gemeinsam betreiben und finanzieren. Im Gegenzug soll der Gewinn geteilt werden. Bayer schätzt, "dass das maximale Umsatzpotential von Vardenafil bei über eine Milliarde Euro (13,76 Mrd. S) im Jahr liegt". Schätzungen zufolge wird der Markt für Potenzmittel im Jahr 2005 weltweit bei bis zu fünf Milliarden Dollar (5,65 Mrd. Euro/77,8 Mrd. S) liegen.

Vor allem auch US-Markt ist im Visier

In den USA wurde Vardenafil am 24. September bei der Arzneimittelbehörde angemeldet. Eine Entscheidung über die Zulassung wird im zweiten Halbjahr 2002 erwartet. Bayer beantragte zudem die Zulassung in Mexiko und Kanada und will den Angaben zufolge im Dezember die Genehmigung für den europäischen Markt einreichen. Die beiden Pharmaunternehmen setzen auf den enormen Bedarf: Laut Bayer "wird geschätzt, dass mehr als die Hälfte der Männer über 40 Jahre an erektiler Dysfunktion leiden - das heißt, die eingeschränkte Fähigkeit einen Geschlechtsverkehr mit Erektion befriedigend zu erleben". Diesen Männern solle geholfen werden: "Gemeinsam werden wir dem Mann mit gestörter erektiler Funktion eine ideale Therapie anbieten." Nach Angaben von Bayer soll Vardenafil für den Nutzer verträglicher sein, weil der Wirkstoff direkt auf den Penis und nicht auf den gesamten Körper wirke. Nebenwirkungen wie das manchmal bei Viagra auftretende "Blau vor den Augen" sollten vermieden werden.

Marketingbudget liegt allein bei Bayer

Durch das Zusammengehen mit GlaxoSmithKline verspricht sich Bayer einen erfolgreicheren Marktzutritt. Vor allem in den USA ist der britische Branchenriese viel besser positioniert als die Leverkusener. Diese müssen der Vereinbarung zufolge die Kosten für Forschung und Produktion allein tragen, nur bei Vertrieb und Marketing werden die finanziellen Lasten zwischen den beiden Partnern aufgeteilt. Trotzdem bekommt vom gesamten Gewinn jeder Partner die Hälfte. Eine Unternehmenssprecherin begründete dies damit, dass durch die Kooperation ein größeres Marktpotenzial erschlossen werde. "Das rechnet sich." Die Kosten für die Entwicklung von Vardenafil wollte sie nicht genau beziffern. Sie verwies lediglich darauf, dass in der Branche generell die Kosten für Forschung und Entwicklung eines neuen Medikaments auf 500 Mill. Dollar veranschlagt werden. Derzeit wird der Markt der Potenzmittel von Viagra aus dem Hause Pfizer dominiert. Vardenafil ist allerdings nicht die erste Konkurrenzpille dazu. Unter anderem will das US-Unternehmen Eli Lilly ab dem kommenden Jahr sein Mittel Cialis vertreiben. Der weltweite Markt für Potenzmittel belief sich im vergangenen Jahr auf 1,4 Mrd. Dollar. Die Branchenexperten von WestLB Panmure gehen davon aus, dass er sich bis 2005 auf vier bis fünf Mrd. Dollar erhöht. Trotz der geringeren Nebenwirkungen von Vardenafil und auch Cialis wird Viagra ihrer Meinung nach seine dominierende Stellung behalten. (APA)

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