Magazin bringt Polemiken von Prawy gegen Holender

15. November 2001, 13:59
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Der reagiert diplomatisch: "Nachdem Gérard Mortier von Salzburg weg ist..."

Wien - Die am Donnerstag erschienenee Ausgabe von "News" hatte im Vorfeld des 90. Geburtstags des Staatsopern-Veteranen Marcel Prawy am 29. Dezember ein Interview gebracht, in dem dieser mit Polemiken gegen den amtierenden Staatsoperndirektor Ioan Holender in voller Breite zitiert wird.

Holender hat am Donnerstag in einer Aussendung denn auch reagiert, ohne selbst polemisch zu werden: "Nachdem Gérard Mortier von Salzburg weg ist und Klaus Bachler von der Wiener Volksoper, bin nun ich zur Zielscheibe Marcel Prawys geworden. Das ändert jedoch nichts an meiner Wertschätzung und meinem Respekt für seine lange Erfahrung."

Das "News"-Gespräch bringt zwar auch einiges an Lob für die Staatsper: So betrachtet Prawy die gespielten Opernraritäten als Plus, freut sich über eine ihm gewidmete Ausstellung im Foyer und sieht die Oper generell als "immer noch die beste Oper der Welt, denn sie ist ein sich selbst regierendes Tier, das im Grunde vom Direktor unabhängig ist." Weil aber Lob selten Schlagzeilen generiert ...

Prawys Aussagen laut Vorausmeldung von "News"

"Er hasst mich, aus berechtigten und unberechtigten Gründen. Vor sechs Jahren hat er sein letztes Wort mit mir gewechselt, er grüßt mich auch nicht, und da ich der Ältere bin, grüße ich auch nicht. Ich versuche jetzt, so objektiv wie möglich zu sein, obwohl mir die Situation ein großer Schmerz ist. Weil ich ja geträumt habe, im Alter werde ich in der Oper zwar keine Stellung, aber doch etwas zu sagen haben. Ich würde den Regisseuren und Dirigenten so gern etwas von dem, was ich weiß, weitergeben - sie können es ja verwerfen, aber einmal gehört sollen sie es haben (...) Aber unter Holender darf ich niemandem in die Nähe kommen."

"Er hat keine Beziehung zu den Stücken, interessiert sich nicht dafür, was aus ihnen wird. So wird er zum Sklaven der Regisseure, die auch nichts davon verstehen."

"Er hat alles getan, um mir das Leben unmöglich zu machen. Ich bewundere seine diesbezügliche Technik! Zum Beispiel hat er für die von mir erfundenen Matineen plötzlich keine Gagen mehr bezahlt. Seither weiß ich nie, wer mir dabei noch mitmacht und wer nicht. (...) Jetzt wurde meine Geburtstagsmatinee in der Oper abgesagt. Zum Achtzigsten war die ganze Regierung da, und gesungen haben Gedda, King und Alfredo Kraus. Jetzt, zum Neunziger, war überhaupt kein Mitwirkender vorgesehen. Also habe ich abgesagt."

"Was ich aber wirklich als indiskutabel empfinde, ist seine Tätigkeit außerhalb der Oper: Die Sommeropern sollen zugesperrt werden, die Rabl-Stadler soll abgesetzt werden, Muzicant soll endlich mit der Forderung nach Wiedergutmachung - dabei ist auch meine - aufhören. Und dann blutet mir das Herz, wenn ich sehe, wie auf dem Dach der geliebten Oper von Siccardsburg und van der Nüll plötzlich ein Zelt mit der Aufschrift "Oper für Kinder" steht. Da fragen sich die Touristen: Schön, und wo ist die Oper für Erwachsene? Auf dem Schwarzenbergplatz? Ich denke mir manchmal: Von welcher Stelle aus kann ich das herunterschießen? Natürlich ohne Verletzte, ich bin ja nicht Bin Laden! Und dann das Vilár-System mit den Opernübersetzungen auf den Lehnen des Vordersitzes! Die früheren Titel waren irgendwie in das Bühnenbild integriert. Jetzt wird man zum falschen Blick gezwungen, so halb von unten und weg von der Bühne." (APA/red)

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