Ethikunterricht: Studie empfiehlt Überführung ins Regelschulwesen

15. November 2001, 12:28
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Gehrer will zunächst Bedarf erheben und Rahmenlehrplan ausarbeiten

Wien - Die Überführung des derzeit an 93 Standorten laufenden Schulversuchs Ethikunterricht ins Regelschulwesen verlangt eine Evaluierungsstudie des Religionspädagogen und Erziehungswissenschafters Anton Bucher. Der Besuch des Religionsunterrichts werde durch den Schulversuch nicht beeinträchtigt. Zunächst werde aber in den kommenden beiden Jahren der Bedarf an Ethikunterricht erhoben und ein Rahmenlehrplan erarbeitet, betonte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Beim seit 1997/98 laufenden Schulversuch Ethikunterricht sind an den betroffenen Standorten Jugendliche, die nicht in den Religionsunterricht gehen, zum Besuch des Faches "Ethik" verpflichtet. Das sind einerseits Schüler, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben und solche ohne Religionsbekenntnis. In der AHS-Oberstufe bzw. an einer weiter führenden Schule besteht für die Schüler die Möglichkeit, sich vom Fach Religion abzumelden.

Kein Rückgang bei Religionsunterricht

Laut Studie ist durch das Angebot des Ethikunterrichts kein Rückgang bei der Beteiligung am Fach Religion festzustellen. Vielmehr würden sich dadurch eher weniger abmelden. Zum Teil sei dies sicher auch darauf zurückzuführen, dass einige Jugendliche weniger aus Gewissensgründen auf Religion verzichten - sondern eher, um ins Kaffeehaus zu gehen oder eine Stunde früher nach Hause zu kommen, so Gehrer.

Gleichzeitig sprach sich Gehrer dagegen aus, zur Ausbildung geeigneter Pädagogen ein eigenes Lehramtsstudium einzuführen. Sinnvoller wäre es, wenn bereits gut ausgebildete Lehrer aus anderen Bereichen Zusatzqualifikationen erhielten. Dadurch könnten langfristig auch deren Arbeitsplätze noch besser gesichert werden. Bei einem eigenen Lehramtsstudium entstehe hingegen das Problem, dass die Pädagogen dann auf das Fach angewiesen wären, obwohl eventuell später keine Nachfrage danach bestehe. Solche Probleme gebe es etwa bei der Hauswirtschaftslehre an BHS.

Bei entsprechender Nachfrage wird gehandelt

Nach Feststellung des Bedarfs an Ethikunterricht will Gehrer bei entsprechender Nachfrage die gesetzlichen Möglichkeiten für interessierte Standorte schaffen. Als Zeitraum wäre das Schuljahr 2004/2005 realistisch. Allerdings werde sicher keine flächendeckende Umsetzung des Ethikunterrichts erfolgen. Dies wäre einerseits "zentralistisch" und würde andererseits auch Kosten in einem Ausmaß verursachen, die derzeit nicht getragen werden könnten.

Geklärt werden müssen laut Gehrer außerdem noch die Verteilung der Kosten für den Ethikunterricht sowie der Umfang des Angebots. Möglich wäre dabei einerseits die Verpflichtung zum Besuch des Ethikunterrichts ab der Oberstufe oder bereits eine frühere Einführung für Jugendliche ohne Religionsbekenntnis. Unklar sei auch noch, ob die Verankerung im Gesetz eine Zwei-Drittel-Mehrheit erfordert und ob die SPÖ bereit wäre, für eine solche die Zustimmung zu geben. Im Moment sei sie aber realistisch: "Eine Zwei-Drittel-Mehrheit bekommen wir derzeit in Bildungsfragen nicht." (APA)

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