Zypern-Gipfel immer wahrscheinlicher

15. November 2001, 20:06
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Staatspräsident Klerides nimmt Einladung zu Treffen an und wünscht Beteiligung der UNO

Nikosia - Der zyprische Staatspräsident Glafkos Klerides hat nach offiziellen Angaben die Einladung des Präsidenten der türkischen Zyprer, Rauf Denktash, zu einem Gipfeltreffen angenommen. Klerides habe unter der Bedingung zugestimmt, dass ein UNO-Vertreter bei den Gesprächen anwesend sei, sagte ein Sprecher Denktashs am Donnerstag in Nikosia. Die UNO teilte mit, ihr Zypern-Beauftragter werde an dem Treffen teilnehmen.

Ecevit wrnt vor Ausbruch der Gewalt

Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit warnte unterdessen vor dem Ausbruch von Gewalt auf der Insel, sollten die UNO und die Europäische Union (EU) ihre Zypern-Politik nicht ändern. Ecevit hat mit einer Annexion des Nordens gedroht, sollte die EU vor einer Lösung des Zypern-Konflikts den griechischen Süden aufnehmen.

Die von der UNO vermittelten Zypern-Gespräche waren vor einem Jahr ins Stocken geraten. Denktash hat sich für eine lose Konföderation zweier souveräner Staaten auf Zypern mit einer schwach ausgeprägten Zentralregierung ausgesprochen. Die internationale Gemeinschaft befürwortet hingegen eine Föderation mit einer starken Zentralregierung. Zudem müssten die griechischen Zyprer ihre Besitztümer zurückerhalten, die ihnen im Norden nach der Besetzung durch die Türkei verloren gingen.

Aussöhnungsprozess soll vorangetrieben werden

Die Türkei hatte 1974 den Norden der Insel besetzt, nachdem Griechenland mit Hilfe griechischer Zyprer eine Union mit Zypern schaffen wollte. Die Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt. Nach dem Völkerrecht vertritt der Süden mit seiner griechischen Bevölkerung ganz Zypern.

Denktash hatte Klerides in der vergangenen Woche zu einem Treffen eingeladen, um eine Krise auf der geteilten Insel zu verhindern. Die UNO kam dem Wunsch Klerides' nach und wird ihren Zypern-Beauftragten Alvaro de Soto zu den Gesprächen entsenden. Ein UNO-Sprecher in New York sagte, das Treffen werde den Prozess zwischen den Seiten hoffentlich voranbringen. Ein Termin für das Treffen wurde nicht genannt.

Ecevit warnte vor einer erzwungenen Wiedervereinigung beider Inselteile. Dies würde zu einem Ausbruch der Gewalt führen, der noch heftiger sein werde, als in der Zeit vor 1974. Bei gewaltsamen Zusammenstößen beider Volksgruppen waren in den 60-er-Jahren hunderte Menschen getötet worden. Die Türkei werde nicht zulassen, dass türkische Zyprer von griechischen Zyprern beherrscht würden, sagte Ecevit. Die EU hatte zuvor die türkische Regierung aufgefordert, die Bemühungen der UNO zu unterstützen, die Insel wieder zu vereinen.

Der griechische Teil Zyperns gilt als einer der am weitesten fortgeschrittenen Beitrittskandidaten der EU und könnte ab 2004 aufgenommen werden. Die Türkei hingegen ist zwar offiziell Beitrittskandidat der EU, steht aber noch nicht mit diese in Verhandlungen darüber.(APA/Reuters)

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