Nordallianz wünscht Prozess gegen Bin Laden in Afghanistan oder Den Haag

15. November 2001, 13:47
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Außenminister Abdullah: Auslieferung an USA erst später

Straßburg - Der von den USA als Hauptterrordrahtzieher gesuchte saudiarabische Islamist Osama bin Laden soll nach dem Willen der gegen die Taliban kämpfenden Nordallianz zunächst in Afghanistan oder Den Haag vor Gericht gestellt werden. Dies erklärte Abdullah Abdullah, der Außenminister der international anerkannten afghanischen Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani, die sich auf die Nordallianz stützt, nach Angaben der Präsidentin des Europaparlaments, Nicole Fontaine, in einem Telefongespräch am Mittwochabend.

Erst danach sollten Bin Laden und der oberste Taliban-Anführer Mullah Muhammad Omar, wie von US-Präsident George W. Bush gefordert, in die Vereinigten Staaten überstellt werden. Beide hätten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, betonte Abdullah nach Angaben Fontaines. In Den Haag befindet sich das von den Vereinten Nationen geschaffene Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien, vor dem unter anderen der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic angeklagt ist.

Zur gegenwärtigen Situation in Kabul sagte Abdullah, die Lage in der afghanischen Hauptstadt sei unter Kontrolle. Befürchtungen hinsichtlich möglicher Gewalttaten der Nordallianz entgegnete er, es gebe keinen "Geist der Rache". (APA)

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