Haager Tribunalsermittler wollen mit jugoslawischen Offizieren reden

15. November 2001, 08:58
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Unter gewünschten "Gesprächspartnern" auch letzter Verteidigungsminister

Belgrad - Ermittler des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien sind an Gesprächen mit einer Reihe hochrangiger jugoslawischer Offiziere interessiert. Auf der ''Wunschliste'' der Tribunalsanklägerin Carla del Ponte stehen nach Angaben der Belgrader Wochenzeitschrift ''Blic news'' der letzte ex-jugoslawische Verteidigungsminister Veljko Kadijevic, sein Generalstabchef Blagoje Adzic, aber auch der Befehlshaber der einstigen jugoslawischen Vierten Militärregion mit Sitz in Sarajewo, Milutin Kukanjac, sowie der einstige Chef der militärischen Gegenspionage, Aleksandar Vasiljevic.

Es handelt sich um Offiziere, deren Namen auch in der Anklage des Tribunals gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen in Kroatien zu finden sind. Die Meisten befinden sich schon seit 1992 nicht mehr im aktiven Militärdienst. Laut der Wochenzeitschrift ist es noch nicht klar, in welcher Eigenschaft die genannten Offiziere mit Ermittlern im Belgrader Tribunalsbuero sprechen sollten - entweder als Zeugen oder Verdächtige.

"Interessanter Gesprächspartner"

Die Zeitschrift berichtet, dass ein ''interessanter Gesprächspartner' für die Tribunalsermittler auch der einstige Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes Jovica Stanisic sein dürfte, der in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre als Kontaktmann zwischen Belgrad und der bosnisch-serbischen Führung in Pale fungiert hatte. Nach unbestätigten Informationen soll Stanisic, der seit der Amtsenthebung im Spätherbst 1998 unter dem Schutz der Geheimpolizei steht, bereits mehrmals jeden Kontakt mit Tribunalsermittlern zurückgewiesen haben. Laut ''Blic news'' müsste die Zustimmung für Kontakte jugoslawischer Offiziere mit Tribunalsermittlern von der Regierung kommen.

Justizminister Savo Markovic wollte gegenüber der Zeitschrift die Existenz einer ''Wunschliste'' des Haager Tribunals nicht bestätigen. Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic bestätigte dagegen, dass seinem Kabinett ein Verzeichnis von rund 200 Personen übermittelt wurde, über die Information gewünscht wird. Laut Djindjic handelt es sich dabei auch um einige Angehörige der bberüchtigtenSpezialpolizeieinheit des serbischen Staatssicherheitsdienstes.

''Blic news'' behauptet auch, dass sich die Anklage gegen Slobodan Milosevic, welche Carla del Ponte dem Tribunal Ende letzter Woche zugestellt hatte, auf die Planung des Völkermordes im Jahr 1992 bezieht. Dieselbe Anklage war zuvor bereits gegen die früheren bosnisch-serbischen Führer Biljana Plavsic, Momcilo Krajisnik und Radovan Karadzic erhoben worden. (APA)

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