USA wollen nötigenfalls Guerillakrieg gegen Bin Laden führen

15. November 2001, 06:54
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Taliban weiter auf dem Rückzug

Kabul/Washington/Islamabad - Die afghanische Nordallianz und aufständische Volksgruppen haben die radikal-islamischen Taliban bereits aus weiten Teilen des Landes verdrängt. Auch die Kontrolle über ihre Hochburg Kandahar im Süden war den Taliban offenbar nicht mehr sicher. US-Konteradmiral John Stufflebeem sagte am Mittwoch, die US-Soldaten seien darauf vorbereitet, den gesuchten moslemischen Extremisten Osama bin Laden auch in den Höhlen und Bergen Südafghanistans aufzustöbern. US-Präsident George W. Bush erklärte, Ziel sei es nach wie vor, das Taliban-Regime zu stürzen und Bin Laden zu fassen sowie sein Netzwerk El Kaida zu zerschlagen.

"Wir wollen sicherstellen, dass Afghanistan nicht länger ein sicherer Hafen für terroristische Aktivitäten ist", sagte Bush. "Das könnte eine Weile dauern, und ich bin geduldig, und unsere Streitkräfte und Truppen am Boden sind auf der Jagd, bis wir unsere Ziele erreichen können."

Im Süden verlieren die Taliban zunehmend Unterstützung

Im Süden von Afghanistan verlieren die Taliban offenbar zunehmend Unterstützung. Stufflebeem sagte, 23 oder mehr paschtunische Gruppen schienen sich gegen die Taliban erhoben zu haben. Ob sie in ihrem Aufstand vereint seien, sei nicht bekannt. Die Paschtunen stellten bisher die Basis der Taliban.

Die Taliban erklärten indessen, Bin Laden und ihr Führer, Mullah Mohammad Omar, seien sicher und wohlbehalten in Afghanistan. Unterschiedliche Darstellungen gab es darüber, wer die Hochburg der Taliban, Kandahar, kontrolliert. Die Nordallianz erklärte, die Stadt sei an die Opposition und Aufständische gefallen. Pakistanische Taliban-Kämpfer wiesen dies zurück. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, er habe keine Informationen darüber, ob Anti-Taliban-Kämpfer den dortigen Flughafen eingenommen hätten. Innerhalb von fünf Tagen ist der von den Taliban kontrollierte Teil Afghanistans von 90 auf etwa 20 Prozent zurückgegangen.

Suche nach Nadel in einem Heuhaufen

Rumsfeld sagte weiter, US-Einheiten in Südafghanistan bereiteten sich darauf vor, die Verantwortlichen für die Anschläge vom 11. September in den USA zu finden. Elitesoldaten kontrollierten Straßen in den Norden. Die Suche verglich er mit der nach einer Nadel in einem Heuhaufen. Stufflebeem sagte, falls nötig würden die USA einen Guerilla-Krieg gegen die Taliban und die Mitglieder der El-Kaida-Organisation Bin Ladens führen. Die USA machen Bin Laden und die El Kaida für die Anschläge in New York und Washington verantwortlich, bei denen rund 4.500 Menschen getötet wurden.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, die US-Luftwaffe habe am Dienstag ein Gebäude bombardiert, in dem sich El-Kaida-Mitglieder versammelt gehabt hätten. Einige Menschen seien getötet worden. Ob sich Bin Laden in dem Gebäude aufgehalten habe und wer die Toten seien, sei nicht bekannt, verlautete aus den Kreisen weiter.

Zugzwang

Die Geschwindigkeit, mit der die Taliban-Gegner vorrücken, hat Diplomaten in Zugzwang gebracht, möglichst schnell ein Konzept für die Zeit nach den Taliban vorzulegen. Der Weltsicherheitsrat stimmte einem Plan des UNO-Sonderbeauftragten für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, zu, der eine zweijährige Übergangsregierung vorsieht. In der Regierung sollen alle Volksgruppen vertreten sein. Eine multinationale Truppe soll für ihre Sicherheit sorgen.Der Weltsicherheitsrat in New York stimmte am Mittwoch einhellig Vorschlägen zur Bildung einer Übergangs-Regierung zu. Am Freitag sollte der US-Gesandte James Dobbins von Pakistan aus nach Kabul reisen. Dobbins hatte mit dem in Italien im Exil lebenden afghanischen Ex-König, Zahir Schah, über die Lage beraten. Dieser rief seine Landsleute zur Einheit auf und dazu, Leben und Besitz der Mitbürger zu schützen. Der 87-Jährige gilt als mögliche Integrationsfigur für eine Übergangsregierung. (APA/Reuters/dpa/AP)

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