Volkszählung: Statistik Austria präsentiert AusländerInnen-Zahlen

14. November 2001, 19:03
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"Es gibt kaum einen anerkannten Staat, der keinen Bürger in Österreich leben hat"

Wien - In Österreich leben rund 730.200 Ausländer, 212.500 mehr als vor zehn Jahren. Dies ergibt im Bundesdurchschnitt 9,1 Prozent gegenüber 6,6 Prozent im Jahr 1991. Im Vergleich der Länder stehen Wien und Vorarlberg an der Spitze. Die meisten Migranten kommen nach wie vor aus Jugoslawien, Einwanderungen aus der Türkei sind vergleichsweise weniger stark angestiegen. Diese Ergebnisse präsentierte die Statistik Austria am Mittwoch fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Stichtag der Volkszählung.

Jugoslawien stellt mit 158.800 (21,3 Prozent) gefolgt von der Türkei (130.100 - 17,8 Prozent) weiter den größten Teil der in Österreich lebenden Ausländer. Dahinter folgen mit Bosnien-Herzegowina (13,2 Prozent) und Kroatien (7,9 Prozent) zwei weitere Balkanstaaten, dazwischen liegt mit Deutschland (74.400 - 10,2 Prozent) der erwartungsgemäß am besten vertretene EU-Staat. Insgesamt leben den Rohdaten der Volkszählung zufolge mehr als 110.000 EU-Bürger in Österreich. Mit 33 Prozent (30.500) ist diese Zahl jedoch weniger stark gewachsen als die Gesamtzahl aller Ausländer (41 Prozent, 213.000). Insgesamt sei festzustellen, so Johann Ladstätter von der Statistik Austria bei der Präsentation der Daten, "dass es kaum einen anerkannten Staat gibt, der keinen Bürger in Österreich leben hat."

Wien weist mit 16,4 Prozent den höchsten Ausländeranteil im Bundesländervergleich auf, dahinter folgen Vorarlberg (13,5 Prozent) und Salzburg (12 Prozent). Am geringsten ist der Anteil in den als Wirtschaftsstandort weniger attraktiven Bundesländern Kärnten (5,8 Prozent), Steiermark und Burgenland (je 4,6 Prozent). Auf ein Kuriosum wies Ladstätter bei den Gemeinden mit dem höchsten Ausländeranteil hin. Es sind dies Jungholz (51,4 Prozent) in Tirol und Mittelberg (37,2 Prozent) in Vorarlberg, die auf Grund ihrer exponierten Lage nur von Deutschland aus erreichbar sind, was zur Folge hat, dass auch ein Großteil der dort lebenden Ausländer aus dem Nachbarland kommt.

Eine problematische Entwicklung zeichnet sich in jenen Regionen Österreichs ab, wo sich das Geburtendefizit mit der Abwanderung überlagert. In diesen Gebieten - betroffen sind vor allem die Regionen an der ehemaligen Ostgrenze sowie das steirische Industriegebiet - droht eine Überalterung. Auswirkungen beispielsweise auf die Nahversorgung seien die logische Folge, so Karl Isamberth, der Projektleiter der Volkszählung, Er räumte allerdings ein, dass dies nicht Gegenstand der Volkszählung sei.

Derzeit leben in Österreich mehr Frauen als Männer. Auf 100 Männer kommen 106 Frauen. Allerdings sind bis zum Alter von 45 Jahren fast ausschließlich die Männer in der Überzahl. Dies hängt einerseits mit dem Umstand zusammen, dass mehr Buben als Mädchen geboren werden, andererseits daran, dass mehr junge Männer als Frauen zuwandern. So wird die höhere Männersterblichkeit ausgeglichen, die auch in einem Frauenüberhang in den hohen Altersgruppen ihren Niederschlag - mit einer Spitze bei einem Alter von 80 Jahren - findet. (APA)

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