"Gemeinsam machen wir Geschichte"

14. November 2001, 19:23
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Russland und die Vereinigten Staaten wollen ihre Atomwaffenarsenale reduzieren

Washington/New York - "Gemeinsam machen wir Fortschritte, und gemeinsam machen wir dabei Geschichte", erklärte US-Präsident George W. Bush nach den ersten Stunden des Gipfeltreffens mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin: "Wir verwandeln unsere Beziehung von einer Beziehung, die auf Feindseligkeit und Verdächtigungen basiert, in eine, die sich auf Zusammenarbeit und Vertrauen stützt."

Zunächst erklärte Bush, er wolle das nukleare Arsenal der USA (derzeit etwa 7000 Atomwaffen) innerhalb der nächsten zehn Jahre um zwei Drittel abbauen - dies sei "absolut vereinbar mit der amerikanischen Sicherheit". Nur wenige Stunden später folgte Putin mit einer ähnlichen Erklärung, nämlich die insgesamt etwa 5800 Atomwaffen in Russland ebenfalls auf etwa 1700 zu reduzieren.

In die Augen geschaut

Damit könne seiner Ansicht nach das "strategische Gleichgewicht " bewahrt werden. Der Bush-Plan sieht vor, dass die Sprengköpfe aus den Interkontinentalraketen entfernt, die Waffen selbst jedoch nicht vernichtet würden.

Einstweilen hat die Sache noch einen kleineren Haken: Putin besteht auf einem schriftlichen Abkommen, das die Themen "Verifizierung und Kontrolle" beinhalten müsse. Bush dagegen meinte, ihm reiche es, "dem Mann in die Augen geschaut und seine Hand geschüttelt zu haben". Aber man könne, meinte Bush, diese Übereinstimmung unter Umständen auch schriftlich festhalten.

In den USA erhielt Bush nahezu uneingeschränkt Lob für seinen Entschluss. Allerdings warnte zum Beispiel die New York Times davor, dass es unter den derzeitigen Voraussetzungen - ohne Vertrag und Bestätigung durch die Legislative - für beide Seiten möglich sei, ganz einfach ihre Meinung zu ändern.

Innerhalb der nächsten Jahre könnten sowohl Bush selbst als auch sein Nachfolger im Präsidentenamt dieses Handschlag-Abkommen wieder rückgängig machen.

Bush war wieder voll des Lobes für seinen russischen Freund: "Sie sind die Art von Mann, die ich gerne gemeinsam mit mir in einem Schützengraben hätte." Bush zeigte sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz äußerst gelöst und strahlend - immerhin hatte er am gleichen Tag von den Siegen der Nordallianz in Afghanistan und der Befreiung von Kabul erfahren.

Weder die Vereinigten Staaten noch Russland hätten allerdings "die Absicht und die Kapazität", eine Regierung in Afghanistan einzusetzen. Auch sonst artikulierte man eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Beide Staatsoberhäupter sprachen sich dagegen aus, die Taliban in eine zukünftige multiethnische Regierung einzubinden.

Sowohl Bush als auch Putin forderten die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Und schließlich brachten beide Präsidenten in einer gemeinsamen Erklärung ihre "tiefe Besorgnis über die Lage im Nahen Osten" zum Ausdruck.
(DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2001)

Handschlag-Abkommen zwischen Wladimir Putin und George W. Bush: Russland und die Vereinigten Staaten wollen ihre Atomwaffenarsenale reduzieren und entdecken auch sonst noch manche Gemeinsamkeit.

von STANDARD-Korrespondentin Susi Schneider
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