Bei Telekom Austria beginnt das Feilschen um die Übernahme

14. November 2001, 17:40
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Deutsche Telekom und zwei weiter Investorengruppen wollen die TA - Nun kann die Arbeit beginnen

Wien - Nach dem mehr als klaren Signal aus Mailand, wonach die neuen Eigentümer der Telecom Italia (TI) zwecks Schuldenabbau am Komplettrückzug aus Österreich arbeiten, kommt Dynamik in den Verkaufsprozess. Für die Österreichische Industrieholding Aktiengesellschaft ÖIAG, ist die zweite Privatisierungstranche nach dem Börsegang der Telekom Austria (TA) im November 2000 das "Königs- und Kernthema".

Michaelis auf Konzeptsuche

Ziel der schwarz-blauen Bundesregierung war und ist die vollständige Entschuldung der ÖIAG, die nur über einen Verkauf von TA-Anteilen, wahrscheinlich im Paket mit den TI-Anteilen, gelingen kann. ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis will bis Jahresende ein entsprechendes Konzept samt Handlungsalternativen erarbeitet haben.

Absichtserklärung

Solche Alternativen sind nötig, seitdem die Deutsche Telekom (DT) ihre Kaufabsicht in Wien deponiert hat. Wie aus der ÖIAG durchsickerte, hat der deutsche Exmonopolist in einem Papier massives Interesse am TA- Festnetz angemeldet. Branchenkenner attestieren diesem einen Wert von rund zwei Milliarden Euro (rund 27 Mrd. S). Im Mobilfunkbereich ist die DT mit Max.mobil in Österreich gut aufgestellt.

Andere Investorengruppen wollen die TA-Gruppe samt Butz und Stingl kaufen. Welche der beiden Wege für TI, die 28,9 Prozent an der TA hält, und welcher für die ÖIAG, die 47,8 Prozent besitzt, der günstigere ist und wie dies mit dem bis 2008 laufenden Syndikatsvertrag unter einen Hut zu bringen ist, dürfte für etliche Verhandlungstage und -nächte gut sein.

Das Rechnen beginnt

Zu den Investorengruppen, die die Telekom Austria am liebsten als Ganzes kaufen würden, zählen das britisch- deutsch-österreichische Konsortium rund um die Fonds Providence Equity, Apax und heimische Banken. Ein Konsortiumsvertreter sagte: "Das Signal aus Italien passt uns ins Konzept, weil uns bisher der Verkäufer gefehlt hat. Jetzt fängt die Arbeit an, jetzt sind die Karten auf dem Tisch." Man hoffe auf baldige Einsichtmöglichkeiten in die Bücher und den Syndikatsvertrag, eine Due-Dilligence-Prüfung habe es noch nicht gegeben. Als "Obergrenze" wird für die TA samt Mobilkom von dieser Gruppe ein Kaufpreis von fünf Mrd. Euro genannt. Andere Interessenten schätzen allein die Mobilkom auf gut 60 Mrd. S.

Zweite Investorengruppe

Eine zweite Investorengruppe hat sich um die weltgrößte US-Buyout-Firma Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gebildet, die seinerzeit mit dem Nabisco-Deal die größte Firmenübernahme der Wirtschaftsgeschichte abwickelte. KKR hat in Österreich das Nebenstellengeschäft von Bosch gekauft und führt dieses als Tenovis weiter. Als Österreich- Vertreter dieser Gruppe, zu der auch der US-Telekomkonzern Ameritech zählen dürfte (war 1998 gegen TI unterlegen), wird der Bauindustrielle Hans-Peter Haselsteiner genannt. Auch der Industrielle Hannes Androsch soll mit an Bord geholt werden. Aus dieser Gruppe hieß es: "Es war zu erwarten, dass die Italiener alles verkaufen. Das müssen sie auf Druck der Banken."

Bewertungsprobleme

Die Preisfindung wird von dieser Interessentengruppe als extrem schwierig dargestellt. Die TA habe 4000 Beamte zu viel und zehn Mrd. S zu viel in das Netz investiert. "Die Kuh ist nicht leicht auf die Beine zu bekommen", sagte der Investor. Zum Vergleich: Die TI ist 1998 mit 16 Euro je TA-Aktie eingestiegen.

Laut Börsenprospekt darf TI ohne ÖIAG-Zustimmung bis Oktober 2003 nicht aus der TA aussteigen. Für ihren Viertelanteil an der Mobilkom gilt die Frist nur bis Juli 2002.(Michael Bachner/ Luise Ungerboeck/ Der Standard, Printausgabe vom 15.11.2001)

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