Ramadan - Der Fastenmonat der Moslems

14. November 2001, 16:59
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Fortsetzung des Krieges könnte anti-amerikanische Stimmung anheizen

Kairo - Rund 40 Tage nach dem Beginn der US-Luftangriffe auf die radikal-islamische Taliban in Afghanistan beginnt in dieser Woche der moslemische Fastenmonat Ramadan. Nach der Einnahme der Hauptstadt Kabul durch die oppositionelle Nordallianz ist nach deren Angaben unterdessen auch die Taliban-Hochburg Kandahar gefallen. Die Fortsetzung des Krieges im Ramadan würde zwar kein moslemisches Tabu brechen, sie könnte aber anti-amerikanische Stimmungen in vielen moslemischen Ländern anheizen.

Was ist der Ramadan? Der Ramadan ist für die Moslems ein heiliger Monat, in dem sie von Sonnenaufgang bis -untergang fasten. Fasten bedeutet dabei, dass den Gläubigen das Essen, Trinken, Rauchen und der Sex tagsüber verboten sind. Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams. Die anderen sind das Bekenntnis, dass es keinen anderen außer dem einen Gott gebe und dass Mohammed dessen Prophet sei, das Beten, die Gabe von Geld an die Armen und die Pilgerfahrt nach Mekka.

Beginn Abhängig vom Neumond

Fasten müssen alle körperlich und geistig gesunden Erwachsenen, die sich nicht auf Reisen befinden. Ausgenommen sind nach Auslegungen von Islam-Gelehrten auch jene Moslems, die besonders kritische Tätigkeiten ausführen müssen wie Chirurgen und Soldaten.

Wann ist der Ramadan? Er beginnt in diesem Jahr am 16. oder 17. November in Abhängigkeit vom Neumond. Da sich der moslemische Kalender am Mondumlauf orientiert, verschiebt sich der Ramadan-Beginn jedes Jahr um elf Tage gegenüber dem Gregorianischen Kalender. Der Ramadan endet nach 30 Tagen wieder mit dem Neumond. Dann wird das Fest des Fastenbrechens Eid el Fitr gefeiert.

Welches Ziel hat der Ramadan? Der Ramadan ist für die Moslems eine Zeit der Besinnung und der Andacht in Demut und Selbstbeherrschung. Außerdem soll damit ein Gefühl für die Leiden der Bedürftigen geweckt werden. Das Fasten gilt als Akt der Selbstreinigung.

Krieg im Ramadan Das moslemische Recht verbietet Kriege in vier Monaten des Jahres, aber nicht im Ramadan. Einige Moslems glauben, dass es keine bessere Zeit gebe, für eine gerechte Sache zu kämpfen, als im Ramadan. Einige Kämpfer glauben, es sei eine Segnung, gerade in diesem Monat als Märtyrer zu sterben. Moslemische Gelehrte weisen darauf hin, dass es durch die ganze Geschichte immer wieder Schlachten im Ramadan gegeben habe, etwa den ersten großen Sieg der Moslems bei Badr im Jahr 624 und die Eroberung Mekkas.

Ägypten und Syrien begannen im Ramadan 1973 den Krieg gegen Israel. Der Iran und der Irak setzten die Kämpfe während des Krieges von 1980 bis 1988 im Ramadan nicht aus. Im algerischen Bürgerkrieg, dem in den vergangenen zehn Jahren rund 100.000 Menschen zum Opfer fielen, nahmen die Kämpfe im Ramadan oft an Heftigkeit zu.

Experten schließen jedoch nicht aus, dass eine Fortsetzung der US-Militäraktion die Sympathien in der moslemischen Welt für Afghanistan wachsen lassen könnte. Bei den Kämpfern der Taliban und der El-Kaida-Organisation des Extremisten Osama bin Laden könnte die Entschlossenheit zum Kampf noch zunehmen. Sie glauben, ihnen sei ein besonderer Platz im Paradies sicher, wenn sie im Ramadan fallen. (APA/Reuters)

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