Temelin will bei EU-Beitritt längst am Netz sein

14. November 2001, 16:09
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Ende November soll der Probebetrieb wieder aufgenommen werden

Wien/Prag - Bis zur nächsten EU-Wahl im Juni 2004 will die EU ihre Erweiterung um voraussichtlich zehn Mitglieder abgeschlossen haben. Auch Tschechien will dann Mitglied der Union sein. Das umstrittene Kernkraftwerk Temelin soll dann - so sieht es der aktuelle Zeitplan der Betreiberfirma CEZ vor - schon zwei Jahre im kommerziellen Betrieb Strom liefern. Aus österreichischer Sicht steht der tschechische Beitritts-Fahrplan jedenfalls im Schatten Temelins - ein Standpunkt, der in Brüssel nicht geteilt wird.

Der Zeitplan der Temelin-Betreiber sieht vor, dass Ende November der Probebetrieb wieder aufgenommen werden soll. Vorgesehen sind Tests auf den Leistungsniveaus 75, 90 und 100 Prozent. Derzeit ist der Reaktor herunter gefahren. Die Leistung liegt bei null Prozent, die Wassertemperatur im Primärkreislauf unter 60 Grad.

Jänner 2002 soll kommerzieller Betrieb wieder laufen

Ende Jänner 2002 soll Block 1 - und damit der erste Teil des Kraftwerks - seinen kommerziellen Betrieb aufnehmen. Ebenfalls im Jänner soll die Kettenreaktion in Block 2 und damit der Probelauf in diesem Teil des Kraftwerks starten.

Der Jänner ist auch für die Temelin-Gegner in Österreich von zentraler Bedeutung: Von 14. bis 21. Jänner läuft die Eintragungsfrist für das Anti-Temelin-Volksbegehren der Freiheitlichen.

In den folgenden Monaten verlagert sich das Geschehen auf die politische Bühne der Tschechischen Republik: Die nördlichen Nachbarn wählen ein neues Parlament. Die österreichischen Grünen treten dafür ein, bis zu diesem Termin eine Nachdenkpause einzulegen und dann einen Neustart der Verhandlungen zu versuchen.

Für den August kommenden Jahres schließlich planen die Temelin-Betreiber, auch für Block 2 des Kraftwerks den kommerziellen Betrieb zu starten. Die Probephase für den zweiten Block soll dank der Erfahrungen aus der Testphase von Block 1 in kürzerer Zeit abgeschlossen sein, so Temelin-Pressesprecher Milan Nebesar.

Anfang 2003 geplant voll im Netz zu sein

Wenn die Abschlussrunde der Erweiterungsverhandlungen Ende 2002 - oder wegen der vielen Wahlen in der EU und den Kandidatenländern Anfang 2003 - über die Bühne geht, wäre Temelin nach den Plänen der Betreiber also schon voll am Netz. Bei diesem so genannten "Jumbo" schlägt für Österreich die Stunde der Wahrheit. Ist eine Zustimmung zum Energiekapitel dann noch immer nicht erfolgt, ist Tschechien von der ersten Erweiterungsrunde tatsächlich ausgeschlossen.

Die österreichische Regierung steht angesichts dieser Entscheidung aber nicht nur unter Druck von außen: Im Herbst 2003 muss sie ihr Agieren den Österreichern gut erklären, um bei den Nationalratswahlen wieder die Zustimmung einer Mehrheit zu bekommen.(APA)

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