Verkehrsbüro hat genug

14. November 2001, 18:21
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Generaldirektor Tucek: "Reisebüroverband macht unnötig Panik, wir treten aus"

Wien - Die Terrorattacken vom 11. September in New York und Washington haben in Österreich ein verspätetes Nachbeben zur Folge. Hauptbetroffen ist der Österreichische Reisebüroverband (ÖRV), der rund 500 Reisebüros unter seinem Dach versammelt.

"Wir haben das Krisengerede satt, der Reisebüroverband macht unnötig Panik, wir treten aus", sagte der Generaldirektor des Verkehrsbüros, Rudolf Tucek, in einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Kunden hat man den Eindruck vermittelt, besser nicht buchen, denn die meisten Reisebüros sind ohnehin pleite", sagte Tucek. Außerdem wollten sie nur vier Tage in der Woche offen halten und sich die Differenz vom Finanzminister zahlen lassen. Tucek: "Das ist eine katastrophale Form der Branchenvertretung, die ich nicht gutheißen kann."

Ausscheiden einstimmig beschlossen

Das Ausscheiden aus dem Reisebüroverband sei vom Verkehrsbüro-Vorstand einstimmig beschlossen worden; der Austritt soll zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgen. Der frühestmögliche Zeitpunkt sei Ende des Jahres, hieß es im Reisebüroverband auf STANDARD-Anfrage. Verbandspräsident Günter Arlow war wegen einer Auslandsreise nicht erreichbar.

Für den ÖRV bedeute das Ausscheiden des Verkehrsbüros nicht nur einen Image-schaden, auch die finanziellen Einbußen seien verhältnismäßig groß, heißt es. Jedes Verbandsmitglied zahle ein Fixum und zusätzlich noch einen Betrag pro Filiale. Mit 130 Standorten ist das Verkehrsbüro die größte Reisebürokette unter dem Dach des Reisebüroverbandes.

Weiteres Rekordjahr

Trotz der nach den Anschlägen vom 11. September geschwundenen Reiselust der Kunden rechnet Tucek heuer mit einem weiteren Rekordjahr für das Verkehrsbüro. "Von Jänner bis September haben wir im Pauschalreisesegment 94 Prozent des Jahresumsatzes eingespielt. Selbst wenn im verbleibenden Jahr null verkauft wird, kann man von keiner Krise sprechen. Aber so ist es ja nicht", sagte Tucek.

Bei den Pauschalreisen rechnet Tucek heuer mit einem Umsatzplus von 5,8 Prozent auf 1,66 Milliarden Schilling (120,6 Mio. Euro). Nach einem kurzfristigen Einbruch bei den Geschäftsreisen gehe es auch in diesem Segment wieder aufwärts. Bis Oktober habe man bei Business-reisen ein Plus von 2,4 Prozent auf 951,9 Mio. S verzeichnet. Insgesamt halte das Verkehrsbüro per Ende Oktober bei einem Umsatz von 3,77 Mrd. S, einem Plus von 4,2 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode 2000.

Auch die Verkehrsbüro-Miteigentümerin AUA, die sich gerade ein drastisches Sparprogramm verordnet hat, sieht nach dem 11. September nur temporäre Rückgänge im Reiseaufkommen. Gebucht werde zwar immer kurzfristiger, aber es werde wieder gebucht, sagte AUA-Vorstand Josef Burger. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 15.11.2001)

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