Wien: Häupl für egalitären Bildungszugang

14. November 2001, 12:39
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Bürgermeister mit Ergebnis des Volksbegehrens "durchaus zufrieden"

Wien - Mit einem Appell für einen egalitären Zugang zu Bildung und neuen Technologien hat der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) am Mittwoch die gemeinsame Herbsttagung des SP-Gemeinderatsklubs und des Wiener Ausschusses der Sozialdemokaten eröffnet. Vor den Delegierten im neuen "Tech Gate Vienna" in Wien-Donaustadt nahm der Bürgermeister auch zum am Dienstag zu Ende gegangenen Bildungsvolksbegehren Stellung. Er sei mit den rund 170.000 Unterschriften durchaus zufrieden, so Häupl: "Das Ziel, die Bildungsdiskussion nicht von der österreichischen Bundesregierung totschweigen zu lassen, wurde erreicht."

Dass sich Familien heute durch die Einführung der Studiengebühren fragen müssten, ob sie sich einen Universitätszugang für ihre Kinder leisten könnten, bezeichnete der Bürgermeister als Schande. Er vertrete dabei die selbe Position wie SP-Chef Alfred Gusenbauer: "Sollte die Sozialdemokratie an der nächsten österreichischen Bundesregierung beteiligt sein, werden wir die Studiengebühren abschaffen."

Gemäß dem Tagungsmotto "Investitionen für die Zukunft" wies Häupl auf die enge Verknüpfung von Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik hin. Die größten Probleme bei der Jobsuche hätten unqualifizierte Arbeitnehmer. Es gelte daher, für Qualifizierung zu sorgen und den "elektronischen Analphabetismus in unserer Gesellschaft" zu bekämpfen, so Häupl.

Neue Arbeitsplätze will Häupl in Wien vor allem durch eine Forcierung der Technologiepolitik schaffen. Der Bundesregierung sprach er in diesem Zusammenhang die wirtschaftspolitische Kompetenz ab und warf ihr vor, für eine schlechte Position Österreichs im internationalen Standortwettbewerb gesorgt zu haben: Die Alpenrepublik leide heute unter der höchsten Inflationsrate seit zehn Jahren, der höchsten Arbeitsloigkeit seit mehr als einem Jahrzehnt und der höchsten Steuer- und Abgabenquote seit den 50-er Jahren.

Vor allem der FPÖ warf der Wiener SP-Chef vor, inhuman und wirtschaftsfeindlich zu agieren, indem ein Zuzug von hoch qualifizierten Schlüsselarbeitskräften behindert werde. Häupl: "Hier steht die Ideologie der Fremdenfeindlichkeit gegenüber der ökonomischen Realität."

Besonders fördern will Häupl in Wien den Export von Stadttechnologien, etwa im Bereich der Abfallwirtschaft. Bei der Biotechnologie soll die Stadt bis 2006 zu den führenden Zentren Mitteleuropas gehören. Hoffnungen setzt Häupl auch auf den automotiven Bereich, wo kürzlich der Startschuss für einen Auto-Cluster gegeben wurde. Und auch die so genannte Kreativ-Industrie gewinne an Bedeutung: Wien spiele etwa weltweit eine führende Rolle in der elektronischen Experimentalmusik. "Wir müssen uns offen diesen Dingen zuwenden, und sie nicht nur dulden", sagte Häupl.(APA)

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