Heute: Doku über die Vergewaltigungsopfer des Bosnienkrieges

14. November 2001, 14:26
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"Brennpunkt"-Dokumentation "Wir schweigen nicht!"

Wien - "Die meisten Frauen schweigen aus Angst, von ihren Ehemännern verstoßen zu werden. Wenn ich verheiratet wäre, hätte ich mich sicher nicht geoutet. Ich hätte es auch vor meinem Mann geheim gehalten, dass das Kind nicht von ihm ist", sagt Ankica Gotstejn.

Die Dokumentarfilmerin Maria Magdalena Koller hat nach monatelangen Recherchen vier Frauen gefunden, die den Mut hatten, öffentlich über ihre Erlebnisse zu sprechen. In der "Brennpunkt"-Dokumentation "Wir schweigen nicht" erzählen sie am Mittwoch, dem 14. November 2001, um 20.15 Uhr in 3sat, was es bedeutetet, mit ihren Horrorgeschichten weiterzuleben und wie sie sich in ihrer Rolle als Opfer fühlen, seit sie mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Ankica ist eine von jenen 20.000 Frauen, die während des Bosnienkriegs vergewaltigt wurden. Sie lebt heute mit ihrer Tochter Sanja in einem Flüchtlingslager bei Zagreb. Sanja wird nie erfahren, wer ihr Vater ist, denn die fünf Männer, die in jener Nacht über Ankica hergefallen sind, waren maskiert. Es waren Tschetniks. Sanja wird ihre Mutter immer an diese schreckliche Demütigung erinnern. Aber auch jene Frauen, die kein "Kind der Schande" ausgetragen haben, können ihre Leidensgeschichten nicht vergessen. Trotzdem werden die meisten von ihnen für immer schweigen, denn eine vergewaltigte Frau gilt am Balkan als stigmatisiert.

"Ich habe mir in Omarska geschworen, der Welt die Wahrheit zu sagen, falls ich dieser Hölle lebend entkommen sollte", sagt Jadranka Cigelj. Dem Engagement der Juristin und ihrer Mitkämpferinnen ist es zu verdanken, dass Vergewaltigung erstmals als Kriegsverbrechen anerkannt worden ist und dass bereits einer der Lagerkommandanten von Omarska in Den Haag verurteilt wurde. (red)

"Wir schweigen nicht!"
am 14.11.2001
um 20.15 Uhr
auf 3Sat
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