Konflikt um illegale "tschechische Krankenbetreuer" in Österreich

14. November 2001, 17:55
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Rund-um-die-Uhr-Betreuung häufig nur durch Beschäftigung ausländischer PflegerInnen möglich

Linz - Ein Problem, das seit längerem bekannt ist, eskaliert in Oberösterreich zu einem handfesten Konflikt: Es geht um ausgebildete Krankenschwestern, vor allem aus Tschechien, die in Österreich ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen tätig sind. Sie sollen jetzt ausgeforscht und ausgewiesen werden.

Der "Alt-Grüne" und Bürgermeister von Steyregg, Josef Buchner, ging am Mittwoch an die Öffentlichkeit. Er spricht von "Unmenschlichkeit" zu Lasten schwerbehinderter und pflegebedürftiger Menschen. Buchner weigert sich, bei der Ausforschung der Krankenschwestern und anderer ausländischer Pfleger mitzumachen.

6000 Pfleger betreuen in Wohnungen

Wie der Steyregger Bürgermeister bei einer Pressekonferenz in Linz erläuterte, dürfte es in Österreich derzeit rund 6.000 "pflegerisch ausgebildete Personen aus Tschechien und der Slowakei" geben, die hier alte, kranke und behinderte Menschen in deren Wohnungen betreuen. Die Krankenschwestern bekommen dafür ein "Taschengeld" sowie Kostenersatz, alles in allem seien das rund 20.000 S (1.453 Euro), im Monat. Sie wohnen bei den Betreuten und werden dort verpflegt, dafür stehen sie "rund um die Uhr" zur Verfügung. Meist "teilen" sich die Schwestern einen Patienten, jeweils zwei kommen im "14-Tage-Rhythmus" aus Tschechien.

Illegal- aber niedrige Kosten ermöglichen Rund-um-die-Uhr-Betreuung

Rein rechtlich gesehen sei dies, so Buchner, illegal, zumindest handle es sich um einen "grauen Markt", aber "es ist ein grauer Markt der Menschlichkeit und Hilfe". Die pflegebedürftigen oder behinderten Menschen hätten auf diese Weise die Möglichkeit, in ihrer Wohnung zu bleiben, "sonst müssten sie in ein Heim, wobei es gar nicht die notwendigen Heimplätze gibt", meint Buchner. Auch gebe es kein österreichisches Pflegepersonal, das zu diesen vergleichsweise niedrigen Kosten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung leistet.

Einer Aufforderung der Bezirkshauptmannschaft, Meldung zu erstatten, wo in der Stadtgemeinde tschechisches Pflegepersonal tätig ist, kam Bürgermeister Buchner nicht nach.

Auch Soziallandesrat für "Duldung"
Aus dem Büro des oberösterreichischen Soziallandesrates Josef Ackerl (S) hieß es zum Problem der illegalen tschechischen Krankenschwestern in Österreich, man kenne diese Situation, sie müsse aber "geduldet" werden. Es gebe derzeit keine andere Lösung für jene Fälle, wo eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erforderlich ist. Denn das Pflegegeld reiche nicht aus, um eine solche Betreuung durch österreichisches Personal zu bezahlen, erklärte ein Sprecher von Landesrat Ackerl. (APA)

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