Rätselraten bei Handybetreibern über Mobilfunkzukunft

15. November 2001, 08:39
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Österreichs Telcos und Mobilfunker mit 25 Milliarden Schilling Verlust seit Liberalisierung

Rätselraten über die künftige Weiterentwicklung im Mobilfunk herrscht derzeit unter Österreichs Handynetzbetreibern. Die hohe Penetrationsrate am Markt von über 80 Prozent habe zu einer markanten Verringerung der Gewinnmargen geführt. Auf Grund des bevorstehenden Eintritts zweier neuer Betreiber - Telefonica und Hutchison - werde es auch in nächster Zeit keine Tariferhöhungen geben, sagte der Österreichchef des Beratungsunternehmens A.T.Kearney, Robert Kremlicka, am Dienstagabend vor Journalisten.

Nur Mobilkom Austria positiv

Schon jetzt wirtschafte mit der Mobilkom Austria aber nur ein einziger Mobilfunkprovider in Österreich unterm Strich positiv, so der Berater. Seit Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes haben laut A.T.Kearney Österreichs Telekom- und Mobilfunkunternehmen kumuliert 25 Mrd. S (1,82 Mrd. Euro) Verluste gemacht.

"Umsätze müssen gesteigert werden"

Nach den hohen Investitionen für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS müssten die Unternehmen in den kommenden Jahren ihre Umsätze um 25 Prozent steigern, um nur annähernd so aufgestellt zu sein wie heute. "Bis dahin werden sie eine weitere Ergebnisdelle hinnehmen müssen", so Kremlicka.

Zusatzverdienst aus mobilen Datenprodukten

Als fix gelte, dass die Mobilfunkumsätze in der Sprachtelefonie in den kommenden Jahren leicht zurückgehen werden. Zusätzliche Einnahmen müssten daher aus dem Bereich mobiler Datenprodukte kommen. In Österreich lagen Umsätze mit mobilen Datendiensten laut A.T.Kearney im vergangenen Jahr bei 80 Mill. Euro. Bis 2003 soll sich diese Summe laut Berater verzehnfachen und der Anteil am Gesamtumsatz damit von knapp 3 Prozent auf 25 Prozent steigen.

Große Unsicherheit nach WAP-Flop

Nach dem Flop von Internet via Handy (WAP) herrsche unter Österreichs Mobilfunkern eine aber große Unsicherheit. Völlig offen sei etwa die Preisfrage. Bei WAP gebe es innerhalb Europas Preisdifferenzen vom Faktor 1 zu 20. Das größte Fragezeigen gelte aber der Produktgestaltung: "Der Markt wird markant komplexer", sagte Kremlicka.

Partner sind entscheidend

Aus Sicht des Beraters wird es dabei allerdings nicht auf die "Killerapplikation" ankommen. "Entscheidend wird sein, welche Partner ich habe", meinte Krmelicka. Als Partner kämen dabei vor allem Contentlieferanten wie Medienhäuser, aber auch Handelsunternehmen und Finanzinstitute.

Logos und Klingeltöne als Paradebeispiele

Ob die Kunden allerdings auch bereit sein werden, für mobile Internetinhalte zu zahlen, werde sich erst in den nächsten Monaten herausstellen. Bestehende Geschäftsmodelle deuteten aber auf einen Erfolg kostenpflichtiger Angebote hin: Für Klingeltöne und Logos etwa - laut Berater ein Paradebeispiel für mobilen Content - werden Europas Jugendliche heuer 1,6 Mrd. Euro (22,0 Mrd. S) ausgeben. In Japan sei der durchschnittliche Umsatz pro Kunde mit Einführung des mobilen Internetdienstes "i-mode" um 50 Prozent auf 101 Euro im Monat gestiegen. In Österreich liegt der monatliche Umsatz pro Mobilfunkkunde derzeit insgesamt bei nur 35 Euro. "Ein Potenzial ist also da", meint der Berater. (APA)

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