Harninkontinenz: Rund eine Million ÖsterreicherInnen vom "peinlichen Leiden" betroffen

14. November 2001, 12:07
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Eine minimal-invasive Operationsmethode kann jedoch sehr oft Abhilfe verschaffen

Graz - In Österreich leiden rund eine Million Menschen (darunter 85 Prozent Frauen) unter Harninkontinenz, auch Blasenschwäche genannt. Im Falle der so genannten Stressharninkontinenz, die schon bei geringster körperlicher Belastung auftritt und bei welcher der Harndrang beim Husten, Lachen, Niesen oder beim Sport nicht mehr unterdrückt werden kann, gibt es nun Abhilfe durch eine minimal-invasive Operationsmethode. In Graz wird diese Methode, die nach neuesten Studien eine Heilungsrate von 85 Prozent aufzuweisen hat, seit 1998 durchgeführt.

Der Eingriff nach der so genannten TVT-Methode (Tension-free Vaginal Tape) wird unter lokaler bzw. regionaler Betäubung durchgeführt und dauert rund 30 Minuten: Dabei wird ein wenige Millimeter breites Netzband aus Kunststoff in die Vagina der Patientin eingesetzt, welches den mittleren Teil der Harnröhre, der bei körperlicher Belastung besonders beansprucht wird, unterstützt. Auf Grund seiner gitterförmigen Netz-Struktur haftet das Band selbst im Gewebe und wird von diesem nach kurzer Zeit durchwachsen.

Drei Tage im Spital

Für den Grazer Gynäkologen Karl Tamussino von der geburtshilflich-gynäkologischen Universitätsklinik in Graz, der die in Schweden entwickelte Methode seit 1998 anwendet, besteht der Vorteil der Methode in der geringen Belastung für die Patientin: "Dass für den Eingriff keine Vollnarkose erforderlich ist und die Patientin bereits nach ein bis drei Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann, stellt eine deutliche Erleichterung für die Betroffenen dar", so der Grazer Mediziner. Für Patientinnen, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, ist die Methode allerdings nicht geeignet.

"Die Erfolge hier an der der Klinik entsprechen den internationalen Zahlen", so Tamussino, der eine "rund 85-prozentige" Erfolgsquote nach einem Jahr" verzeichnet. An der Grazer Klinik wurde auch ein Register eingerichtet, dass bisher rund 3.000 österreichweit durchgeführte Operationen festhält und auch nach den aufgetretenen Komplikationen fragt: "Es gibt Komplikationen, in 0,5 Prozent auch schwerwiegende Blutergüsse", so der Mediziner, der auch betonte, dass die Operation "nicht leichtfertig, nur weil die Frau glaubt, es hilft schneller als alles Andere" angewandt werden solle. Jüngeren Frauen um die 30 bis 40 Jahre, die zum Beispiel seit der Geburt eines Kindes mit ungewollten Harnverlusten kämpfen, rät der Mediziner "allemal zuerst den Weg zum Physiotherapeuten" zu wählen, der mit Beckenbodengymnastik helfen kann.

Studie

Bisher wurden das Befestigungsband über 150.000 Frauen weltweit eingelegt. Laut dem International Urogynecology Journal (Vol. 12; 2001, Suppl. 2) gaben 85 Prozent der befragten behandelten Frauen im Rahmen der jüngsten Langzeitstudie an drei klinischen Zentren in Finnland und Schweden an, nach vier bis sechs Jahren weiterhin kontinent zu sein. Weitere zehn Prozent berichten über eine signifikante Verbesserung ihrer Beschwerden. (APA)

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