WKW-Präsident Nettig fordert Konjunkturpaket für Wiener Wirtschaft

14. November 2001, 12:52
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Förderungen für Bauwirtschaft, Wasserversorgung, Infrastruktur erwünscht

Wien - Ein Konjunkturpaket zur Förderung der Wiener Wirtschaft fordert der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer (WKW), Walter Nettig. Unternehmerische Impulse für die Bauwirtschaft sollen dabei aus einer speziellen Förderaktion der Stadt zur thermischen Gebäudesanierung kommen, so Nettig am Dienstagabend vor Journalisten. Zusätzlich wünscht sich der WKW-Präsident Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und steuerliche Erleichterungen für die Unternehmer.

Stadt Wien soll Bauwirtschaft und Wasserversorgung fördern

Die größten Probleme ortet Nettig im Bereich der Bauwirtschaft, wo seit Jahresbeginn 2001 rückläufige Produktions- und Beschäftigungswerte zu verzeichnen seien. Er forderte daher das Schnüren eines Baupakets: Die Stadt Wien soll mit bis zu zwei Mrd. S thermische Sanierungsmaßnahmen fördern, außerdem sollen dringende Investitionen in die Wasserversorgung - etwa der Austausch von Bleirohren oder die Installation von Nutzwasseranlagen - jetzt vorgenommen werden. Ein Wunsch, der umgehend in Erfüllung gehen dürfte: Bürgermeister Michael Häupl (S) werde noch diese Woche ein entsprechendes Paket vorstellen, hieß dazu es aus dem Rathaus.

Senkung der Lohnnebenkosten und Forschungsförderung ebenfalls erwünscht

Im Bereich der Infrastruktur fordert Nettig eine Forcierung des Eisenbahnbaus. "Der Lainzer Tunnel soll endlich in Angriff genommen werden", gleiches gelte für den Wiener Zentralbahnhof und den Güterterminal Inzersdorf. Zur Finanzierung will der WKW-Präsident unter anderem Verkaufserlöse aus nicht mehr betriebsnotwendigen ÖBB-Grundstücken heranziehen. Von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) wünscht sich Nettig ein Entlastungspaket, darunter eine Senkung der Lohnnebenkosten. Zusätzlich müsse die steuerliche Diskriminierung nicht entnommener Unternehmensgewinne beseitigt werden. Die Wirtschaft habe schließlich einen enormen Beitrag zur Erreichung des Nulldefizits beigetragen, so Nettig: "Es kann nicht sein, dass die Unternehmen die Lastesel des Bunds sind."

Auch für den Industriestandort Wien präsentierte Nettig ein Forderungspaket: Gewünscht wird unter anderem mehr Geld für die Forschungsförderung, Maßnahmen zur Behebung des Fachkräftemangels, Entbürokratisierung, Steuer- und Abgabenentlastungen, die Breitstellung ausreichend großer Flächen für die Betriebsansiedelung und - unter dem Slogan "Freie Fahrt für den Wirtschaftsverkehr!" - die Behebung von innerstädtischen und regionalen Verkehrsproblemen. Nettig betonte, dass die Wiener Wirtschaft derzeit zwar mit einer "Konjunkturdelle" fertig werden müsse, die wirtschaftliche Talsohle sollte aber bereits erreicht sein. Nicht unzufrieden ist Nettig mit den im Wiener Gemeindebudget 2002 vorgesehen Mitteln für die Wirtschaftsförderung. "Es könnte natürlich immer mehr sein", angesichts der Budgetlage der Bundeshauptstadt müsse man mit Wünschen und Forderungen aber am Boden bleiben.

Nettig spricht sich gegen Demo wegen stockender Kollektivvertrags- verhandlungen aus

Der Wirtschaftskammerpräsident hatte auf die Demonstrationspläne der Handelsgewerkschaft in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit Verärgerung reagiert. Die Drohung, wegen der derzeit stockenden Kollektivvertragsverhandlungen am ersten vorweihnachtlichen Einkaufssamstag (1. Dezember) eine Großdemo auf der Wiener Mariahilfer Straße abzuhalten, sei "ungehörig und nicht sehr hilfreich" und "ein Bärendienst auf dem Rücken der Handelsangestellten", so Nettig am Dienstagabend vor Journalisten. Nettig forderte die Rücknahme der Demo-Drohung: "Es wäre eine Zumutung, wenn an einem der wichtigsten Einkaufstage gestreikt oder demonstriert wird." Auch ohne Kampfmaßnahmen sei mit gutem Willen eine passable Lösung bei den KV-Verhandlungen für die rund 350.000 Handelsangestellten und 100.000 Beschäftigten in verwandten Branchen möglich. Nicht festlegen wollte sich Nettig allerdings, ob es dabei zu einer Abgeltung der prognostizierten Inflationsrate von 2,6 Prozent kommen könnte. (APA)

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