Drogenbericht 2001: Aufputschmittel sind im Trend

14. November 2001, 16:39
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Konsum harter Drogen stark zurückgegangen

Wien - Die Konsumenten illegaler Drogen greifen in Österreich zunehmend häufiger zu aufputschenden Substanzen. Die Zahl der "drogenbezogenen Todesfälle" lag im Jahr 2000 mit 227 Fällen deutlich über dem Wert des vorangegangenen Jahres (174). Eine wesentliche Trendwende im illegalen Suchtgiftkonsum zeichnet sich trotzdem nicht ab. Und erstmals wurde ein Cannabis-Pflanzer nach einer entsprechenden Anklage nicht verurteilt. - Das sind die Eckpunkte im "Bericht zur Drogensituation 2001", den das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) im Auftrag der entsprechenden EU-Beobachtungsstelle und des Sozialministeriums erstellt hat.

"Auf Basis der vorliegenden Daten und Experteneinschätzungen zeichnen sich einige Veränderungen und neue Trends bezüglich der Drogensituation ab. Diese betreffen in erster Linie die Konsummuster. Bei den österreichischen Drogenabhängigen sind weiterhin polytoxikomane Gebrauchsmuster vorherrschend (...). Während im letzten Jahrzehnt die Opiate - und dabei vor allem Heroin - im Zuge des Mehrfachkonsums verschiedenster Substanzen (vor allem auch Alkohol und Benzodiazepine) eine zentrale Rolle spielten, wird nunmehr über eine steigende Bedeutung von "aufputschenden Substanzen" - und dabei vor allem Amphetamine ("Speed") und Kokain - berichtet", heißt es in dem Report mit Bezug auf das Jahr 2000.

Keine quantitative Verschärfung

Die wichtigste Schlussfolgerung der Experten: "Dieser Trend bedeutet aber keine quantitative Verschärfung der Drogenproblematik. Die Zahl der Drogenabhängigen wird in den meisten Bereichen als stabil eingeschätzt. Ein Anstieg wird nur aus eher ländlichen und bisher weniger betroffenen Gebieten berichtet, womit sich die 'Nivellierung' der regionalen Unterschiede weiter fortsetzt." Mit zunehmend erheblichen Gesundheitsproblemen hätten die Älteren zu kämpfen.

Bei den Drogentoten gab es einen Anstieg von 174 Fällen im Jahr 1999 auf 227 im Jahr 2000. Dies wird von den Autoren des Berichts allerdings weniger auf eine starke Zunahme des illegalen Drogenkonsums insgesamt, als auf zunehmenden riskanten Konsum zurückgeführt.

Österreicher für "Helfen statt strafen"

Obwohl in politischen Diskussionen immer wieder eine Verschärfung der Maßnahmen gegen illegale Suchtgifte gefordert wird, sind die Österreicher offenbar ziemlich davon überzeugt, dass der bisherige Weg der Drogenpolitik mit dem Leitsatz "Helfen statt strafen" richtig ist. In Wien ergab eine Umfrage zwar, dass 70 Prozent der Menschen für eine Aufrechterhaltung des generellen Drogenverbots sind, andererseits sind sie aber auch für eine Entkriminalisierung von Abhängigen. 81 Prozent sind für die Errichtung weiterer Therapiestationen für Süchtige. 64 Prozent befürworten die Abgabe steriler Spritzen.

Viele testen Cannabis

Der Drogenbericht des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen: "Cannabis ist die illegale Substanz, mit der bei weitem am häufigsten Konsumerfahrungen gemacht werden. In einer aktuellen oberösterreichischen Konsumerhebung in der Allgemeinbevölkerung (mehr als 15 Jahre alt, Anm.) gaben rund 20 Prozent der Befragten an, über Erfahrungen mit den Konsum von Cannabis zu verfügen. Der Prozentsatz war in einigen Altersgruppen noch deutlich höher und lag nur bei den über 60-Jährigen darunter. Regelmäßiger Konsum von Cannabis ist allerdings deutlich seltener als Probiererfahrungen."

Allzu sehr muss man sich aber vor diesem Trend aber offenbar nicht fürchten. Die Experten im Auftrag des Sozialministeriums: "Es gibt weiterhin kaum Berichte über soziale und gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum von Cannabis. Auf Cannabis beziehen sich die meisten Anzeigen und Beschlagnahmungen. "

Koks im Vormarsch

Die restlichen, hauptsächlich illegal verwendeten Drogen: Vier Prozent der Österreicher über 15 haben Erfahrung mit Ecstasy. Maximal ein Prozent haben Opiate benutzt. Kokain dürfte eher im Vormarsch sein. Maximal ein bis zwei Prozent der Österreicher dürften schon Kokain konsumiert haben. In der Untersuchung aus Oberösterreich lag dieser Anteil allerdings bei vier Prozent. Im Steigen begriffen ist der polytoxikomane Gebrauch von Suchtgiften.

Eine positive Nachricht gibt es aus einer Vorarlberger Untersuchung aus dem Jahr 2000. Demnach hätte sich der Heroinkonsum bei Abhängigen von illegalen Drogen seit 1995 halbiert. Umgekehrt hätten die Amphetamine dem Heroin bereits den Rang abgelaufen. Der Trend: Aufputschende Mittel werden bei Drogenkonsumenten immer beliebter.

Weniger Anzeigen wegen Cannabis

Wenige Änderungen gab es bei der drogenbezogenen Kriminalität. Wegen Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz erfolgten im Jahr 2000 insgesamt 18.125 Anzeigen (1999: 17.597). Das ist auf eine etwas größere Steigerung von Vergehen im Vergleich zu Verbrechen (schwere Delikte) zurückzuführen. Erstmals kam es auch seit vielen Jahren zu einem Rückgang der Anzeigen wegen Cannabis.

Im Bezug auf die Debatte um Haschisch zitieren die Fachleute jedenfalls eine Entscheidung des Bezirksgerichtes Wels vom April 2001. Erstmals war damals in Österreich ein Angeklagter nach Cannabis-Anbau freigesprochen worden. Der Mann war Aids-krank. Er gab an, Haschisch zu rauchen, um damit auch die oft mit der Immunschwächekrankheit verbundene Übelkeit und den Gewichtsverlust zu bekämpfen. Das Gericht entschied, dass die gesundheitlichen Probleme des Mannes wichtiger als das Strafrecht wären. (APA)

Grafik: Sucht in Österreich
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