Brasilien: 6.000 Dollar für einen Toten

13. November 2001, 21:17
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Arzt soll in Aktivitäten eines Leichenhändlerrings verwickelt sein

Rio de Janeiro - Ein neuer Skandal um einen illegalen Handel mit Leichen und Organen sorgt in Brasilien für Aufregung. Ein ranghoher Arzt eines Gerichtsmedizinischen Instituts der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo wurde nach Medienberichten vom Dienstag unter dem Verdacht festgenommen, mindestens zwei ganze Leichen und Organe weiterer elf Körper an Medizinfakultäten und wissenschaftlichen Institutionen verkauft zu haben. Die Polizei vermutet hinter dem verhafteten Arzt Antonio de Carvalho die Aktivität eines Leichenhändlerrings.

"Es gibt dafür mehrere Indizien", versichert der die Ermittlungen leitende Kommissar Marco Dario. Es gebe zudem Aussagen eines Mitarbeiters von Carvalho, wonach für eine komplette Leiche rund 6.000 Dollar (6.727 Euro/92.568 S) bezahlt wurden. Die Körper stammen den Angaben zufolge ausschließlich von verstorbenen Obdachlosen. Die so genannten "Mendigos", die auf den Straßen Brasiliens zu Tausenden umher irren, werden im Todesfall von niemandem vermisst.

Erst im vergangenen Monat hatte die Polizei in Rio de Janeiro Ermittlungen zur Zerschlagung eines Leichenhändlerrings aufgenommen. "Wir wissen, dass es in diesem Bereich eine Mafia gibt", meinte Kommissar Aloisio Neto. Illegale Leichenhändler können in Brasilien zu Haftstrafen von einem bis fünf Jahren verurteilt werden. (APA/dpa)

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