100.000 Österreicher leiden an Diabetes, ohne es zu wissen

14. November 2001, 10:40
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Infokampagne anlässlich des Weltdiabetestag am 14. November

Wien - 500.000 Österreicher leiden an Diabetes. Internationalen Erfahrungswerten zufolge leiden rund 100.000 davon an der Krankheit, ohne es zu wissen. "Wegen der Gefährlichkeit dieser Erkrankung, deren Auftreten weltweit zunimmt, sind in Österreich Maßnahmen wie eine bundesweite Aktion zur Früherkennung von Diabetes und eine flächendeckende Betreuung aller Betroffenen dringend nötig", sagte Guntram Schernthaner, Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft im Rahmen des Weltdiabetestag am 14. November. Die Beiträge, die aus dem Budget kommen müssten, seine viel niedriger als die derzeitigen Kosten zur Behandlung der Kranken. Zudem könne die Früherkennung die Krankheit heilen oder weitgehend bremsen. Die österreichische Diabetes-Gesellschaft (ÖDG) startet nun eine österreichweite Infokampagne.

Die Gesamtkosten für die Behandlung der Diabetespatienten in österreichischen Krankenhäusern betragen rund 3,5 Mrd. Schilling, wenn Diabetes die Hauptursache der Behandlung ist. Noch kostenintensiver sei Diabetes, wenn es zu Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Nierenversagen oder Fußamputationen kommt oder Gefäß- und Herzoperationen sowie Organtransplantationen notwendig werden. Insgesamt kostet Diabetes im Jahr rund 18 Mrd. Schilling. Medikamentenkosten, Frühinvalidität und Arbeitsausfall sind dabei inkludiert.

Dramatische Zunahme

Ein großes Problem sieht Schernthaner in der dramatischen Zunahme der Zahl der Diabetes-Patienten: " Die Steigerungsrate beträgt pro Jahr plus sechs Prozent beim Typ-2-Diabetes und plus drei Prozent beim Typ-1-Diabetes. Jede dritte Frau, die einen Herzinfarkt erleidet, ist Diabetikerin, ebenso jeder vierte männliche Infarktpatient", erklärte der Mediziner. "Typ-2-Diabetes ist einer der Hauptverursacher des Nierenversagens", ergänzte Christoph Schnack von der Krankenanstalt Rudolfstiftung Wien. Diese und andere Folgewirkungen des Diabetes könnten durch Präventionsmodelle verhindert werden, meinte Schernthaner. Dafür wurde ein Schwerpunktkatalog der dringendsten Maßnahmen ausgearbeitet. Fachleute fordern vor allem eine bundesweite Screening-Aktion, bei der diabetesgefährdete Menschen sowie jene, die bereits erkrankt sind, frühzeitig erfasst werden sollen. Ebenso notwendig sei die Errichtung von Schwerpunktambulanzen zur Betreuung von Patienten mit Spätkomplikationen.

Berichte über Erfolge mit Gentherapie-Strategien für eine Diabetes-Heilung hält Schernthaner für einen sprichwörtlichen "Silberstreif am Horizont". Bis die Gentherapie bei Zuckerkranken breit anwendbar sei, dürften mindestens noch zehn Jahre vergehen. "Bei anderen innovativen Behandlungskonzepten ist ein Erfolg schon eher absehbar", erläuterte der Mediziner. So dürfte Insulin zum Inhalieren bereits in wenigen Jahren zur Verfügung stehen. Noch wisse man allerdings nicht, ob dadurch langfristig ungünstige Nebenwirkungen auf die Lunge zu erwarten sind. (pte)

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