Rotes Kreuz berichtet von hunderten Kriegstoten in Afghanistan

13. November 2001, 19:22
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IKRK-Helfer begraben Leichen - UNO sorgt sich um Insassen von Flüchtlingslagern

Genf - Das Rote Kreuz hat Anzeichen dafür, dass es während des schnellen Vormarsches der Nordallianz-Truppen in Afghanistan zu massiven Verlusten an Menschenleben gekommen ist. Wie eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Dienstag in Genf mitteilte, sind Rotkreuz-Helfer in der am Freitag eroberten Stadt Masar-i-Scharif dabei, die dortigen Toten behelfsmäßig zu begraben. Allein hier liege die Zahl der Toten bei mehreren hundert, sagte die Sprecherin Antonella Notari.

Die Helfer hätten sich "aus Gründen der Hygiene und der Würde" bereit erklärt, die Toten zu begraben. Sie würden in markierten Gräbern beigesetzt, damit sie später von Angehörigen identifiziert werden könnten, sagte Frau Notari. Dabei sei in vielen Fällen unklar, ob es sich bei den Toten um Zivilpersonen oder Taliban-Kämpfer handelt. Auch habe sie keine konkreten Informationen oder Schätzungen über das tatsächliche Ausmaß der Opfer.

Sorge um Flüchtlinge

Unterdessen äußerte sich das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sehr besorgt über das Schicksal von rund 6.000 afghanischen Zivilisten, die sich in einem Lager im Südwesten Afghanistans nahe der iranischen Grenze aufhalten sollen. Es sei zu befürchten, dass die Lagerinsassen von Taliban-Kämpfern, die sich unter die Zivilisten mischten, als Geiseln oder menschliche Schutzschilde benutzt würden.

Berichten zufolge haben Truppen der Nordallianz das Lager bei Makaki eingekesselt. Im Lager selbst befänden sich schwere Waffen der Taliban. UNHCR-Helfer hätten sich wegen der Anwesenheit der Taliban-Kämpfer geweigert, das Lager zu betreten. Ähnliches gelte auch von anderen Lagern im von den Taliban kontrollierten Gebiet.

Kriegsverbrechen

Die Vereinten Nationen berichteten am Dienstag auch über Ausschreitungen und Kriegsverbrechen von Kämpfern der Nordallianz. So seien nach der Eroberung von Mazar-i-Sharif rund 100 junge Taliban-Rekruten, die sich in einer Schule versteckt hielten, von oppositionellen Kämpfern erschossen worden.

Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) berichtete von Meldungen über Plünderungen und Entführungen durch außer Kontrolle geratene Kämpfer in Mazar-i-Sharif. "Wir hoffen, dass sich die Lage bald stabilisiert", sagte WFP-Sprecherin Christiane Berthiaume in Islamabad. Übers Wochenende seien in der Stadt 89 Tonnen Lebensmitteln aus Lagern des WFP gestohlen worden. (APA/AP)

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