Stadtteil der Dachterrassen

14. November 2001, 13:55
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Christoph Chorherr forciert eine Siedlung mit mehr als 50 Prozent Dachgeschoß- Wohnungen

Wien - Im ersten Moment klingt es wie der (sagen wir einmal:) ostfriesische Autobus: 15 Meter breit und zwei Meter lang, damit alle in der ersten Reihe sitzen können. Aber Christoph Chorherr meint es wieder einmal ernst. So ernst, wie er seine autofreie Siedlung in Floridsdorf umgesetzt hat. Oder sein innovatives Studentenheim in Favoriten. Sein neuestes Projekt trägt den Titel: "Der Dachgeschoß-Stadtteil". Ein ganzes Grätzel, in dem mehr Dachgeschoß- als normale Wohnungen angeboten werden. Wobei die Häuser natürlich trotzdem weit mehr als nur ein Stockwerk haben sollen.

Die Motivation Chorherrs: "Man muss Wünsche ernst nehmen. Und die Leute wollen nun einmal entweder ein Haus - oder eine Dachgeschoßwohnung mit Terrasse." Ersteres aber - das Haus - ist aber nur im Umland erschwinglich. Oder als verdichteter Flachbau an der Peripherie. Und führe zu Zersiedelung und verstärke die Verkehrsprobleme der Stadt. Ein fünfstöckiges Haus aber hat nun einmal nur einen Dachboden. Aber da stellt sich der Klubobmann der Wiener Rathausgrünen die Frage: "warum eigentlich?"

Chorherr ist jedenfalls felsenfest überzeugt, dass das geht: "Eine große Siedlung, ein Stadtteil, in dem 50 Prozent oder bis zu zwei Drittel der Wohnungen Dachgeschoß-Qualität und eine zehn bis 50 Quadratmeter große Dachterrasse haben".

Mehr Licht

Die Strategie, wie das funktionieren soll: "Durch Ver-schachtelungen verschiedener Höhen, durch Abtreppungen, kleine und größere Höfe, unterschiedlichste Tiefe und Dichte", entwirft Chorherr seine Vorstellungen. Das Thema für die Wohnungen sei "Licht mit fünf Rufzeichen". Im Gegenzug müssten/könnten dann im inneren, schlecht oder gar nicht belichteten Teil der Anlage Lagerräume, Studios, Fitnesscenter oder gar ein Schwimmbad untergebracht werden. Chorherr: "Das hört man ohnehin ständig: Das Kellerabteil ist zu klein."

Um das alles aber umsetzen zu können, sei jedenfalls eines unabdingbar: "Eine Öffnung beziehungsweise mehr Flexibilität in den Widmungs- und Bebauungsbestimmungen. Dass das geht, soll ja auch mit dem Projekt der ehemaligen Kabel- und Drahtwerke AG bewiesen werden."

"Einige Bauträger sind schon sehr interessiert", weiß Chorherr von ersten Sondierungsgesprächen. Als nächstes will er einen Wettbewerb initiieren und dann das Projekt möglichst rasch umsetzen. Und so zu beweisen, dass diese "Form von Urbanität mit neuen Qualitäten" tatsächlich umgesetzt werden kann. Für eine schlüssige Beweisführung seien allerdings "bei so einem Vorhaben 100 Wohnungen das Minimum." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 14.11.2001)

Von Roman Freihsl
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