"La Belle"

13. November 2001, 16:48
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  • 5. April 1986: In der Berliner Diskothek "La Belle" im Stadtteil Friedenau explodiert um 1.40 Uhr eine Bombe. Ein US-Soldat und eine Türkin sterben noch in der selben Nacht, ein weiterer US-Soldat erliegt acht Wochen später seinen Verletzungen. Mehr als 200 Menschen werden verletzt. 15. April 1986: Die USA bombardieren als Vergeltung für den Anschlag die libyschen Städte Tripolis und Bengasi. Sie gehen von einer Urheberschaft Libyens aus.

  • Herbst 1990: Nach dem Mauerfall ergeben sich aus Akten der DDR-Staatssicherheit neue Spuren. Der ehemals bei der libyschen Botschaft in Ostberlin beschäftigte staatenlose Palästinenser Yasser Khraidi gerät ins Fadenkreuz. 23. Mai 1996: Libanon liefert Khraidi, den mutmaßlichen Organisator des Anschlags, nach Deutschland aus. September 1996: Der Libyer Musbah Abulgasem Eter gesteht auf Malta gegenüber deutschen Ermittlern seine Beteiligung an dem Anschlag und benennt Mittäter.

  • 18. November 1997:Der Prozess beginnt. Neben Khraidi und Eter müssen sich der gebürtige Palästinenser Ali Khanaa sowie die deutschen Schwestern Verena Khanaa und Andrea Häusler verantworten. 2. Dezember 1997: Eter widerruft sein Geständnis. Knapp drei Jahre später erneuert er es, bestreitet aber eine aktive Beteiligung an dem Anschlag.

  • 6. Jänner 2000: Häusler wird Haftverschonung gewährt. Nach über dreijähriger Untersuchungshaft kommt sie frei. Sie soll zusammen mit ihrer Schwester Verena Chanaa die Bombe in der Diskothek abgelegt haben. 20. April 2000: Der Angeklagte Ali Khanaa, ein früherer Stasi-Spitzel, legt ein Teilgeständnis ab. Er erklärt, das Attentat sei die Antwort der Libyer auf einen früheren Anschlag der Amerikaner gewesen. 19. Oktober 2000: Die Berliner Staatsanwaltschaft teilt mit, dass die Befragung von vier Zeugen und zugleich Beschuldigten in Libyen fehlgeschlagen ist. Obersstaatsanwalt Detlev Mehlis spricht später von "präparierten Zeugen".

  • 15. Mai 2001: Ein internes Protokoll von Gesprächen zwischen dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und US-Präsident George W. Bush wird durch eine Indiskretion bekannt. Durch den Text entsteht der Eindruck, Schröders außenpolitischer Berater Michael Steiner habe berichtet, der libysche Staatschef Muammar Gaddafi habe eine Beteiligung seines Landes an dem Attentat eingestanden. Die Rot-Grün-Regierung dementiert dies und spricht von missverständlichen Ergänzungen des Protokolls.

  • 13. September 2001: Das Gericht schließt die Beweisaufnahme. Die Zahl der Nebenkläger hat sich von zunächst 16 auf 106 erhöht. Insgesamt wurden 169 Zeugen gehört, darunter mehr als 100 Opfer des Anschlags. Oberstaatsanwalt Mehlis schätzt die Kosten des Prozesses auf zehn Millionen Mark. 4. Oktober 2001: Die Staatsanwaltschaft beantragt lebenslange Haft gegen Khraidi, Eter, Khanaa und seine Ex-Frau Verena wegen Mordes und Mordversuchs, für Häusler fordert er Freispruch. Der Vorwurf des Staatsterrorismus habe sich zweifelsfrei bestätigt, heißt es im Plädoyer. Dem schließt sich die Nebenklage an. 30. Oktober 2001: Die Verteidigung beendet ihre Plädoyers. Insgesamt sind die Anwälte der Auffassung, dass keinem der Angeklagten der Vorwurf des Mordes nachgewiesen wurde. Den drei Männern sei lediglich eine "psychische Beihilfe" anzulasten, die mutmaßliche Bombenlegerin Verena Khanaa sei allenfalls wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen. Für Häusler wird Freispruch verlangt. (APA/AP)
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