Zwanzig Jahre Bürgerkrieg haben Spuren hinterlassen

13. November 2001, 15:11
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Vom einstigen Reichtum Kabuls ist kaum etwas übrig geblieben

Kabul - Die oppositionelle Nordallianz ist am Dienstag in die afghanische Hauptstadt Kabul einmarschiert. Große Schätze erwarteten die Kämpfer des Oppositionsbündnisses dort nicht: Mehr als zwanzig Jahre Bürgerkrieg haben Kabul von einem einst blühenden Handelszentrum in eine triste Trümmerlandschaft verwandelt. Die Metropole hat sich zu einer der ärmsten Städte der Welt entwickelt. Die umliegende einst fruchtbare Berglandschaft ist von Dürre geplagt. Die wenigen Krankenhäuser sind überfüllt und schmutzig.

1,8 MIllionen Arme und Kranke

Wer es sich leisten konnte, ist längst vor den Taliban geflohen. Etwa 1,8 Millionen überwiegend Arme und Kranke blieben. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich in den vergangenen Jahren durch Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Norden des Landes.

Mit ihrer geografisch günstigen Lage an der Handelsstraße zwischen Zentralasien und Indien ist die Stadt bereits seit Jahrhunderten stets umkämpft. Im siebenten Jahrhundert eroberten arabische Moslems die Stadt, 200 Jahre später wurde der Islam zur offiziellen Religion erklärt. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist Kabul die Hauptstadt Afghanistans, vorher wurde das seit dem zehnten Jahrhundert islamisch geprägte Land von Kandahar im Süden regiert.

Taliban erobern 1996 Kabul

Die Führung in Kabul lag stets in den Händen der paschtunischen Bevölkerungsmehrheit, aus der auch die Taliban stammen. Nur während der Herrschaft der Mudschahedin nach der Vertreibung der von den sowjetischen Besatzern unterstützten kommunistischen Herrschaft 1992 unterbrach mit Burhanuddin Rabbani ein tadschikischer Führer vorübergehend diese Tradition.

Den Taliban gelang es 1996 nach schweren Kämpfen im Umland, die afghanische Hauptstadt einzunehmen. Unter ihrer Herrschaft verwandelte sich Kabul in eine radikal-islamische Festung. Männer mit Bärten und Turbanen sowie Frauen in "Ganzkörperschleiern" - den traditionellen Burkas - prägten das Stadtbild. Musik wurde verboten, Fernsehgeräte zerstört. Von dem kulturellen Reichtum dieser ethnisch vielfältigen Region blieb nichts übrig.

Historische Gebäude

Kabul hat seinen Namen vom gleichnamigen Fluss, der das östliche Zentrum Afghanistans durchquert. Die Stadt am Hindukusch ist gezeichnet vom Bürgerkrieg, weitere Schäden richteten die amerikanischen Luftangriffe seit dem 7. Oktober an. Altstadt wie Neustadt sind fast völlig zerstört. Aus dem Stadtbild sind auch viele historische Gebäude verschwunden wie Moscheen und Mausoleen.

Klima

In Kabul herrscht ein Steppenklima mit großen Temperaturunterschieden. Im Sommer wird es im Durchschnitt 27 Grad warm, im Winter liegen die mittleren Tiefsttemperaturen bei minus vier Grad. Kabul liegt 130 Kilometer von der östlichen Grenze zu Pakistan entfernt; 240 Kilometer trennen die Stadt von der Nordgrenze zu Tadschikistan. Der Zeitunterschied zu Mitteleuropa beträgt dreieinhalb Stunden: Wenn es in Wien 12.00 Uhr ist, ist es in Kabul 15.30 Uhr. (APA)

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