UNO-Hilfswerk: "Kein Bild über die Sicherheitslage im Norden Afghanistans"

13. November 2001, 15:30
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Zusammenarbeit mit neuen Machthabern muss erst geklärt werden

Genf - Vier Tage nach dem erfolgreichen Vormarsch der Nordallianz in Afghanistan haben die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen immer noch kein klares Bild über die Sicherheitslage im Norden des Landes. Von der Sicherheit hänge es aber ab, ob internationale Mitarbeiter wieder in das Land gehen und der von Dürre und Krieg heimgesuchten Bevölkerung helfen könnten, erklärten UNO-Offizielle am Dienstag in Genf.

"Um wieder vor Ort anfangen zu können, benötigen wir die Erlaubnis unserer Sicherheitsberater über das Wann, Wer und Wie", sagte UNO-Sprecherin Marie Heuze. Der Sprecher des UNO-Flüchtlingshilfswerks Ron Redmond ergänzte: "Wir müssen noch herausfinden, wie wir mit den neuen Machthabern zusammen arbeiten können."

WFP hat 90.000 Tonnen Güter

Nach Angaben der Sprecherin für das Welternährungsprogramms (WFP), Christiane Berthiaume, könnten sofort Hilfsgüter in Afghanistan verteilt werden. Für drei Millionen Menschen seien Lebensmittel verfügbar. "Wir haben die Lebensmittel, wir haben die Lastwagen, wir haben die Leute. Zugang und Sicherheit - das ist das Problem", sagte Berthiaume. Das WFP hält nach eigenen Angaben 90.000 Tonnen Hilfsgüter bereit.

In der vor kurzem eingenommenen Stadt Mazar-i-Sharif seien von den 250.000 Einwohnern in der vergangenen Woche schon 120.000 mit Lebensmittelrationen durch lokale WFP-Vertreter versorgt worden, sagte Berthiaume. Bisher gebe es noch keine offiziellen Kontakte zwischen den UNO-Organisationen und den Vertretern der Nordallianz, ergänzte sie. Eine UNO-Sprecherin in Islamabad sagte, in Mazar-i-Sharif seien nach der Einnahme der Stadt durch die Nordallianz hundert junge Taliban-Kämpfer festgenommen und später getötet worden.

Lage in eroberten Gebieten ruhig

Nach Auskünften des Sprechers der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Jean Philippe Chauzy, ist die Situation in den von der Nordallianz als erobert gemeldeten Gebieten weitgehend ruhig, wenn es auch die einen oder anderen Zwischenfälle gegeben habe. Lokale Vertreter verteilten Decken und anderes Wintermaterial.

Die UNO-Behörde zur Koordination für humanitäre Hilfe (OCHA) berichtete, dass die Nordallianz zehn Lastwagen des Kinderhilfswerks UNICEF in der Gegend von Mazar-i-Sharif mitgenommen habe. Die Fahrer seien gefangen genommen worden. In Genf hieß es aber am Dienstag, man habe die Fahrzeuge wiedergefunden, Ladungen und Fahrer seien sicher.

Zuvor hatte UNHCR-Sprecher Kris Janowski im Deutschlandfunk erklärt, er gehe davon aus, dass der Vormarsch der Nordallianz die Hilfsaktionen für die Flüchtlinge in und um Afghanistan erleichtern werde. "Wir schicken sehr viele Hilfsgüter in den Norden des Landes, um uns auf eine Rückkehr der internationalen Helfer nach Afghanistan vorzubereiten", sagte er am Dienstag. (APA/dpa)

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