Diabetes entwickelt sich zum Killer der Wohlstandsgesellschaft

13. November 2001, 13:58
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Die Folgen: Herzinfarkt, Nierenversagen, Fußamputationen, Erblindung

Wien - Diabetes - der sprichwörtliche "Zucker" - entwickelt sich zu dem "Killer" der modernen Wohlstandsgesellschaft. Die Folgen dieser Stoffwechselerkrankung: Herzinfarkt, Nierenversagen, Fußamputationen, Erblindung. "Laut neuesten epidemiologischen Studien könnten wir 80 bis 90 Prozent aller Diabetes-Fälle durch einen optimierten Lebensstil verhindern", erklärte am Dienstag der Präsident der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft, der Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, aus Anlass von jetzt startenden Informationswochen seiner Gesellschaft.

Der Hintergrund: Während der Zahl der Typ-1-Diabetiker ("juveniler Diabetes") weltweit pro Jahr aus ungeklärter Ursache um rund drei Prozent zunimmt, hat der westliche Lebensstil eine Welle an Typ-2-Diabetes-Erkrankungen losgetreten ("Altersdiabetes", Nicht-Insulinabhängiger Diabetes). Darauf soll auch beim Welt-Diabetestag (14. November) hingewiesen werden. Schernthaner: "Die Zahl der Typ-2-Diabetiker nimmt pro Jahr weltweit um sechs Prozent zu. Wenn nichts passiert, werden wir am Ende des Jahrhunderts eine Milliarde Zuckerkranke haben." Am wichtigsten wäre zunächst ein gesunder Lebensstil: Verringerung des Fettkonsums, Abnehmen, Ausdauersport und der Gang zur Vorsorgeuntersuchung, um erste Anzeichen einer Zuckerkrankheit zu erkennen.

Insulin

Das Problem: Diabetes ist bei weitem nicht nur der schnelle Zusammenbruch der körpereigenen Insulinproduktion im jugendlichen Alter (Typ-1-Diabetes) bzw. eine in späteren Lebensjahrzehnten schlechter werdende Stoffwechselkontrolle, die beim Typ-2-Diabetes schließlich ebenfalls zum Insulinmangel führt. Schernthaner: "In den USA und in Deutschland - also auch in Österreich - ist jede dritte Herzinfarktpatientin eine Diabetikerin, ebenso jeder vierte männliche Infarktpatient. Doch es sollten nur drei bis fünf Prozent sein. Ebenso sind 29 Prozent der Schlaganfallpatienten in Österreich Zuckerkranke. Jeder dritte Betroffene, der an die Dialyse wegen endgültigen Nierenversagens muss, ist zuckerkrank." In Österreich leben rund 400.000 Zuckerkranke, an die 90 Prozent davon "Altersdiabetiker". Doch rund 100.000 Betroffene wissen noch nichts von ihrer Erkrankung. Dadurch kommen viele Maßnahmen zu spät - insbesondere wenn es um die Verhinderung der gefürchteten Spätschäden geht.

Beginnende Nierenschäden möglichst schnell erkennen und behandeln

Ein weiteres Problem sind die Fuß- und Beinamputationen. Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber von der Medizinischen Universitätsklinik in Graz: "Diabetiker haben ein 20-fach erhöhtes Amputationsrisiko im Vergleich zu nicht zuckerkranken Personen. Von den Kosten her sind diese Amputationen wahrscheinlich am teuersten. Jede zweite wäre verhinderbar." Probleme mit "diabetischen Füßen" könnten vor allem durch Information der Patienten, Vorsorge und schnelle Behandlung von Wunden an den Beinen und Füßen beherrschbarer gemacht werden.

Weiters sollten Diabetiker regelmäßig auf mögliche beginnende Nierenschäden untersucht werden. Univ.-Doz. Dr. Christoph Schnack von der 1. Medizinischen Abteilung der Wiener Rudolfstiftung: "Je früher man dann zu behandeln beginnt, desto besser sind die Aussichten." Im Stadium der Mikroalbuminurie - also in einer frühen Phase der durch Diabetes bedingten Nierenerkrankung - kann noch 70 Prozent der Patienten eine Dialyse erspart werden. Im nachfolgenden Stadium der Makroalbuminurie sind es nur noch 30 Prozent.

Am wichtigsten aber wäre die Zurückdrängung der Risikofaktoren bei Diabetikern, die zu Herzinfarkt, Schlaganfall und zusätzlichen Komplikationen führen. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner von der Innsbrucker Universitätsklinik: "Diabetiker haben das siebenfache Infarktrisiko von Nicht-Diabetikern."

(APA)

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