Der LEGO-Stein - das Wunder mit den Noppen

24. November 2001, 11:47
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Eine der erfolgreichsten Designer-Ideen des 20. Jahrhunderts lässt seit mehr als 50 Jahren Kinder zu Baumeistern werden und eine Welt entstehen, die ihnen gehört

Der markante kleine Stein wurde 1949 in einer Tischlerwerkstatt im dänischen Billund geboren. Zu diesem Zeitpunkt bestand in dem Familienbetrieb schon sehr lange die Tradition des Bauens und Erfindens von Holzspielzeug, aber erst kurz zuvor hatte sich der Meistertischler Ole Kirk Christiansen und seine Söhne für Spritzgussverfahren und neue Werkstoffe wie Celluloseazetat interessiert. "Mit dem Kunststoff kam das Abenteuer nach Billund", heißt es in der LEGO Familienchronik, LEGO war das erste dänische Unternehmen, daß eine Maschine für die Produktion von Plastikspielzeug kaufte und einsetzte.

Vom "Ferguson Traktor" zum "LEGO Mursten"

Nach Vorläufern wie dem "Ferguson Traktor", einem auseinandernehmbaren mausgrauen Spieltraktor und vielen weiteren Experimenten entstanden die ersten den heutigen Bausteinen ähnelnden Klötzchen, genannt "Automatic Binding Bricks", den modischen Anglizismen der Nachkriegszeit entsprechend. Auf ihre Oberfläche waren Noppen gepresst, einmal vier und einmal acht, so dass man sie besser zusammenstecken konnte. Um die Baustatik zu verbessern, überzog man kurz darauf auch die Unterseite mit den dazugehörenden Passlöcher.

Bis in die frühen 50ger Jahre war Holzspielzeug weiterhin die wichtigste Einnahmequelle der Firma, die damaligen Exportbestimmungen ließen den dann umbenannten "LEGO Mursten" (Mauerstein) nicht zum Verkaufsschlager werden. Doch dank den zähen Glauben an diese geniale Erfindung und dem Verkaufstalent von Godtfred Kirk Christiansen begann der Siegeszug der LEGO-Steine.

"spiele gut"

1954 schließlich wurde der Name des Unternehmes und der Produkte in Dänemark geschützt. Der Name LEGO an sich entstand schon in den 30er Jahren, Namensgeber war Ole Kirk Christiansen selbst. Das Wort ist ein Akronym der dänischen Worte „Leg Godt“, was soviel wie „spiele gut“ bedeutet. Ein einprägsamer Name. Dass das Wort zufällig auf lateinisch "ich sammle", aber auch "ich lese" und "ich setze zusammen" heißt, ahnte Ole nicht.

Bis heute gehören Lego-Steine zum Erwachsenwerden eines Kindes dazu. Und auch Erwachsene geben bereitwillig zu, daß Spielen mit LEGO-Steinen noch immer ihr "heimliches Laster" ist. Die Spielmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt: Aus allein 6 gleichfarbigen Achtersteinen können 102.981.500 verschiedene Kombinationen konstruiert werden.

Schätzungsweise 300 Millionen Menschen in 137 Ländern haben heute ihre Freude daran, weltweit gibt es ihn vier Billionen mal - den LEGO-Stein. Ohne Zweifel zählt das Klötzchen mit den acht Noppen zu den erfolgreichsten Design-Ideen des 20. Jahrhunderts. Dass LEGO-Männchen sogar zum Botschafter taugen, bewies der Hohe Flüchtlingskommissar der UNO, der 1994 mit Hilfe der Figürchen eine weltweite Informationskampagne für mehr Toleranz startete.
(h-atz)


Margret Uhle:
Die LEGO Story. Der Stein des Weisen
Ueberreuter, Wien 1998



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