Niedrige Beteiligung befürchtet

14. November 2001, 21:57
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Srbobran Brankovic: Unter Kosovo-Serben "Sprache der Gefühle" vorherrschend

Belgrad - Der Belgrader Meinungsforscher Srbobran Brankovic befürchtet, dass die Teilnahme der Kosovo-Serben an der bevorstehenden Parlamentswahl am kommenden Sonntag "wesentlich niedriger" liegen dürfte als bei der Wahlregistrierung im letzten August. Für die Kosovo-Wahl hatten sich nach Appellen des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica und des serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle rund 170.000 Serben registriert, dabei etwa 60.000 im Kosovo.

Bei einer Pressekonferenz in Belgrad anlässlich der bevorstehenden Wahl sagte Brankovic, dass unter den Kosovo-Serben die "Sprache der Gefühle" weiterhin vorherrschend sei. Die Propaganda des Regimes von Slobodan Milosevic hatte Landsleute jahrelang in Patrioten (Regimeanhänger) und Verräter (Opposition) aufgeteilt. Ein Kompromiss zwischen den beiden Gruppen war undenkbar, was unter den Kosovo-Serben noch immer stark zum Ausdruck kommt.

Den uneinigen Kosovo-Serben stehen nach Ansicht von Brankovic Kosovo-Albaner gegenüber, bei denen hohe Übereinstimmung im Hinblick auf vorrangige Ziele herrscht. Laut den Meinungsumfragen, auf welche sich Brankovic berief, wird die staatliche Unabhängigkeit des Kosovo von 80 Prozent der Albaner als vorrangige Aufgabe bezeichnet, für nur fünf Prozent ist dies die Wirtschaft, nur zwei Prozent halten die Korruptionsbekämpfung für die wichtigste Aufgabe.

Trotz beträchtlicher politischer Unterschiede unter den Führern der Kosovo-Albanern hat in Meinungsumfragen keiner von ihnen mehr als zehn Prozent negativer Bewertungen bei den Landsleuten bekommen. Ganz anders sieht die Situation unter den Serben, wo Hassgefühle gegenüber politischen Gegnern stark zum Ausdruck kommen.

Laut Brankovic dürfte das Demokratische Bündnis für den Kosovo von Ibrahim Rugova am kommenden Samstag mit "etwa 50, wenn nicht sogar 60 Prozent der Stimmen" der Kosovo-Albaner rechnen. An zweiter Stelle befindet sich nach den Meinungsumfragen die Demokratische Partei des Kosovo von Hashim Thaci mit 25 bis 30 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Allianz für die Zukunft des Kosovo von Ramush Haradinaj, die mit knapp zehn Prozent der Stimmen rechnen könnte, meint Brankovic. Eine hohe Wahlbeteiligung dürfte den Kosovo-Serben bis zu 25 Parlamentssitze (von 120) bringen.

Der Berater des jugoslawischen Präsidenten, Predrag Simic, glaubt, dass es zur Zeit noch "völlig undenkbar" sei, dass irgendeine albanische Parlamentspartei nach der Wahl die engere Zusammenarbeit mit dem serbischen Wahlbündnis aufnehmen würde, wie dies seitens einiger albanischer Analytiker prophezeit wird. In Albanerkreisen wird darauf hingewiesen, dass der künftige Präsident des Kosovo mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Parlamentarier gewählt werden wird. Keine der albanischen Parteien dürfe alleine über die notwendigen Abgeordnetenstimmen verfügen. (APA)

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