Heimisches Wasser-Know-how soll exportiert werden

13. November 2001, 12:40
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IV und Agrarressort starten Wassernetzwerk "Water & More"

Wien - Österreichs Know-how auf dem Gebiet der Wasserver- und Abwasserentsorgung soll auf dem Weltmarkt stärker genützt werden. Unter dem Titel "Water & More" unterstützen Industriellenvereinigung (IV) und Agrarressort daher die Bildung eines Wassernetzwerkes und den Export von Wasser-Know-how. "Wir werden mit österreichischem Wasser zwar nicht die Versorgungsprobleme in Afrika lösen, aber wir können mit unserem Know-how zeigen, wie man sparsamer mit Wasser umgehen kann", erklärte Agrarminister Wilhelm Molterer am Dienstag bei der Präsentation des Projektes. Für IV-Generalsektretär Lorenz Fritz stehen Know-how-Partnerschaften von Firmen mit kommunalen Ver- und Entsorgern im Sinne einer "private sector participation" im Vordergrund.

Österreich verfüge über etwa 160 Unternehmen, die besondere Stärken im Trinkwasser- und Abwasserbereich haben. Als Hauptexportmärkte sieht Fritz neben Europa auch die Zukunftsmärkte Südostasiens, Südamerikas sowie den Nahen und Mittleren Osten. In den österreichischen Nachbarstaaten in Mittel- und Osteuropa kommen heimische Unternehmen teilweise sogar schon zu spät, räumte Fritz ein. Hier hätten bereits französische Unternehmen Fuß gefaßt. Chancen sieht die IV noch in Rumänien, Bulgarien und in der Slowakei.

Wasserwirtschaft leidet an Strukturproblemen

Nach wie vor leide die heimische Wasserwirtschaft aber an Strukturproblemen. Derzeit gibt es in Österreich 4.000 Unternehmen im Bereich der Wasserversorgung und rund 250 in der Abwasserentsorgung. Diese fragmentierte Struktur sei in vielen Fällen unwirtschaftlich, weil die kommunalen Unternehmen auf Grund ihrer Kostenstruktur international nicht wettbewerbsfähig seien, sind sich Molterer und Fritz einig in ihrer Forderung nach "größeren Einheiten in der Wasserwirtschaft".

Aus Sicht der Industrie müßten neue Formen der Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privaten Unternehmen im Bereich Wasser gefunden werden. Je nach Aufgabendelegierung, Haftung und Risiko, Eigentumsstruktur und Vertragsdauer ließen sich graduell unterschiedliche Beteiligungsformen definieren, favorisiert werde jedoch das Betreibermodell. Hier seien Kosteneinsparungen von 20 bis 50 Prozent bei den Gemeinden möglich, so Fritz.

Investitionsbedarf von mehr als 11,6 Milliarden Euro

Die heimischen Bürgermeister stehen bis 2012 vor einem Investitionsbedarf von mehr als 11,6 Mrd. Euro oder rund 160 Mrd. S. In den vergangenen 40 Jahren wurden in Österreich vergleichsweise 18,9 Mrd. Euro in die Siedlungswasserwirtschaft investiert. Die nicht gerade einfache Finanzsituation einiger Kommunen gestalte sich mit diesen Vorgaben vor allem dann noch angespannter, wenn man in die Rechnung die Rücknahme von Förderungen für Projekte in diesem Sektor von 293 auf 145 Mill. Euro bis 2004 einrechnet, so Fritz: "Private Investoren könnten diese Lücke schließen und einen Investitionsstau verhindern - ganz im Sinne einer Win-win-Situation für alle.

Die jährlichen Umsätze am Weltwassermarkt betragen laut Molterer 400 Mrd. Dollar (448 Mrd. Euro/6.165 Mrd. S). Davon müßten weltweit künftig jährlich 180 Mrd. Dollar in die Wasserver- und Abwasserentsorgung investiert werden, um die Erstellung und den laufenden Erneuerungsbedarf zu decken. (APA)

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