Nordallianz will sich an Friedensprozess unter Ex-König beteiligen

13. November 2001, 17:37
4 Postings

Regierung soll von allen Afghanen akzeptiert werden

Kabul/Rom - Nach ihrem Einzug in Kabul hält die afghanische Nordallianz nach eigenen Angaben an einem Friedensprozess unter Führung des ehemaligen Königs Zahir Schah fest. Die Nordallianz habe nicht die Absicht, das Land allein zu regieren, sagte Junis Kanoni, ein enger Vertrauter des von den Taliban entmachteten afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Kabul. Rabbani werde nicht nach Kabul kommen und sich auch nicht zum Präsidenten erklären. Möglicherweise werde aber der Verteidigungsminister der Nordallianz, General Fahim, in die Hauptstadt kommen, um dort "die Sicherheit zu gewährleisten", sagte Kanoni.

Nordallianz will sich an Friedensprozess unter Ex-König beteiligen

"Wir stehen immer noch auf der Seite des Rates der Nationalen Einheit, den wir mit dem ehemaligen König Zahir Schah gebildet haben", fügte er hinzu. Die Nordallianz wolle eine Regierung, die alle Afghanen akzeptieren könnten. Ein anderer Paschtunen-Kommandant, Haji Mohammed Zaman, kündigte unterdessen Angriffe auf die Taliban an, wenn diese nicht die Kontrolle von Jalalabad im Osten Afghanistans aufgäben.

Kabul soll demilitarisiert werden

Ein Berater des Ex-Monarchen hatte sich in dessen Exil in Rom kritisch über den eigenständigen Vormarsch der Nordallianz nach Kabul geäußert und erklärt, dies sei ein Bruch der Vereinbarungen der oppositionellen Kräfte. Kabul sollte demilitarisiert werden und dann ein politischer Prozess eingeleitet werden, sagte Abdul Sattar Sirat. Der politische Prozess sei aber noch nicht genügend fortgeschritten. Man sei über die Lage der Zivilisten in der afghanischen Hauptstadt besorgt.

Kämpfer der Nordallianz besetzten unterdessen den ehemaligen Präsidentensitz und mehrere öffentliche Gebäude in Kabul. Wie das staatliche iranische Fernsehen berichtete, wurde auch die Taliban-Nachrichtenagentur Bachtar besetzt. Die Truppen der Nordallianz hätten zugesichert, die Bewachung ausländischer Botschaften zu übernehmen, berichtete der Sender weiter. Seit dem Sturz von Präsident Rabbani im Jahr 1996 war der Präsidentensitz in der Hauptstadt leergestanden. Der oberste Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar führte das Kommando aus der Taliban-Hochburg Kandahar im Süden des Landes, die immer noch in den Händen der Taliban ist. (APA/Reuters)

Share if you care.