"Das Schicksal heißt Uschi" von Günter Traxler - mehr zu Woman

13. November 2001, 16:34
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Die neueste Heimsuchung aus dem Hause Fellner entspricht den Erwartungen. Wer in der Branche war sich nicht gewiss, dass die erste Nummer von "Woman" die Rangliste Österreichs wichtigste Frauen, natürlich im Hunderterpack, enthalten würde? Die können einfach nicht anders, eine Story über das Sexleben Schneewittchens könnte in "NEWS" niemals ohne ein Ranking der sieben Zwerge erscheinen.

Wie sehr es beim Damenranking mit rechten Dingen zuging, ist allerdings eine andere Frage, auch wenn behauptet wird: Eine prominente Jury kürte die Top 100 der Nation. Denn ein anderes Ranking der ersten Nummer haben sie auch außer Haus gegeben, an eine prominente Dame des ORF, mussten aber - eben um die Erwartungen zu erfüllen, die die Öffentlichkeit in ein Produkt der Familie setzt - ein wenig nachbessern, um das passende Ergebnis vorweisen zu können.

Weit hinten, nach Mode, Beauty, Fitness, Diät, Gourmet und Home, wurde auch auf die Frau als Wesen unserer Zeit im engeren Sinn eingegangen: Das Internet wird weiblich. ZIB-Anchorwoman Birgit Fenderl ist beruflich wie privat ständig im Netz unterwegs. Für WOMAN testete sie die besten Frauenportale. Als Testsieger kam heraus: Das neue Portal von WOMAN überzeugt durch top-Infos über alle Frauenthemen. Fenderl: Wirklich gelungen! Daher wurden vergeben: 5 blaue @. Der zweite Platz wurde dieStandard.at eingeräumt. Immer aktuell. Fenderl: Bemüht gemacht. Wertung: Bloß 4 blaue und ein graues @.

Dazu mailte uns Frau Fenderl: großer Ärger über woman!! ich wurde eingeladen, dafür frauen-websites zu testen, was ich auch tat. alleine im heft alles total verdreht - so habe ich diestandard.at als beste infosite gewählt - im heft wurde mir "bemüht gemacht" in den mund geschoben. ich bin sehr verärgert darüber, weil ich diestandard.at wirklich sehr schätze und jetzt sieht es so aus, als wäre genau das gegenteil der fall. vom angeblichen sieger, der newsseite, war ich gar nicht informiert - die haben sie dann als sieger hingestellt. ich habe mich darüber auch bei uschi fellner beschwert . .

Das wirft natürlich auch ein düsteres Licht auf den ersten Platz für Susanne Riess-Passer im Damen-Ranking. Vielleicht hat Chefredakteurin Uschi Fellner Margot Klestil-Löffler (Platz 8) auf ähnlich schicksalhafte Weise mitgespielt wie dieStandard.at. Aber wer schon nicht neugierig auf die erste Nummer von "Woman" war, wird es auf die zweite sein. Wie wird die Chefredakteurin ihre Verfälschung von Frau Fenderls Urteil erklären?

A propos Frau Klestil-Löffler - "Die Presse" präsentierte in ihrer Wochenendausgabe auf der Leserbrief-Seite einen Kasten, in dem Leser sich unter der redaktionellen Überschrift Evita Peron und die Urlaubsplanung einer Präsidentengattin ihren Unmut über das Hohe Paar in der Hofburg von der österreichischen Seele schreiben durften. Einer versuchte das Problem aus der Warte des Personalvertreters auszuloten: Ob denn die Dame bei ihrer gehobenen Stellung im Außenamt nicht vermisst würde, wenn sie so oft die Dienstreisen des Gatten verzieren müsste? Auf die von ihrer Chefin und auch sonst als sehr tüchtig beschriebene Beamtin bezog sich auch ein anderer Leser, düstere Fantasien entwickelnd: Man fühlt sich an Argentinien erinnert, war sein etwas überraschender Schluss. Die von den Massen angehimmelte Präsidentengattin Evita Peron ist Frau Klestil-Löffler zwar nicht, aber immerhin hat es Perons Sekretärin und spätere Frau geschafft, 1974 nach dem Tod ihres Mannes Präsidentin zu werden. Sie wurde 1976 durch einen Militärputsch abgesetzt, aber das war keine gute Zeit für Argentinien. So weit wird es doch am Ballhausplatz nicht kommen.

Nur um diese kalmierende Feststellung zu verbreiten, kann "Die Presse" diesen Leserbrief veröffentlicht haben. Alle anderen darin enthaltenen Argumente sind daneben unbedeutend. Thomas Klestil ist nicht nur kein Juan Perón, sondern auch noch nicht tot, die Frau, die ihm - wäre Österreich Argentinien - im Amt nachfolgen könnte, müsste schon seine dritte sein und überdies Isabel heißen, nicht Margot und schon gar nicht Evita, denn das wäre seine erste Frau gewesen, und die hätte niemals für Meinl-Kaffee geworben, weil sie schon 1952 gestorben ist.

Da wurde Evita mit ihrem Aufguss verwechselt. Aber in der "Presse" weiß man einen weiten Horizont eben noch zu schätzen - wenn 's dem Bundeskanzler hilft.
(DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2001)

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