Chlamydien-Bakterien rufen Blindheit und Infektionen des Genitaltraktes hervor

13. November 2001, 11:24
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Genom-Entschlüsselung ermöglicht Identifizierung

Bethesda - Wissenschaftler des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) haben ein Schlüsselgen entdeckt, das bestimmten Chlamydien-Bakterien ermöglicht, Blindheit und schwere Infektionen des Genitaltraktes hervorzurufen. Basierend auf dem kürzlich entschlüsselten Genom von Chlamydia trachomatis fanden Harlan Caldwell und Robert Belland ein Gen, das ein bisher nie identifiziertes zellzerstörendes Toxin kodiert, berichten die Proceedings of the National Academy of Sciences.

Das Team verglich die Genome von zwei Chlamydien-Stämmen: Einem Stamm, der Infektionen der Augen und des Genitaltraktes hervorruft und einem, der invasiv die Zellen der Lymphknoten angreift. Die Gene der beiden Stämme waren bis auf eine Region des Bakterien-Chromosoms identisch. Bei der näheren Untersuchung wurde ein DNA-Bereich gefunden, der dem bekannten Gen des Toxin B der Clostridium difficile ähnelte. Diese Bakterien verursachen beim Menschen schwere Infektionen des Dickdarms und sind eng mit den Erregern von Tetanus, Botulismus und Wundbrand verwandt. Toxin B lässt die Proteingerüste im Inneren der Zellen zusammenbrechen. Die C. difficile Bakterien nutzen die so entstandenen Lücken zwischen den Zellen um tiefer in die Darmwand einzudringen.

Um herauszufinden, ob das gefundene Gen wirklich ein ähnliches Protein wie Toxin B kodiert, suchten Caldwell und Belland in den Bakterien nach Hinweisen auf das Toxin. Ihre Studien ergaben, dass C. trachomatis zu spezifischen Veränderungen in den infizierten Zellen führt. Diese Veränderungen sind nicht von jenen zu unterscheiden, die vom Toxin des Clostridium difficile hervorgerufen werden. Die infizierten Zellen enthielten außerdem toxinkodierende RNA. Die Forscher wiesen in der Folge nach, dass die infizierten Zellen ein Protein enthalten, das Toxin B ähnelt. Das weist darauf hin, dass die Zellen die Anweisungen der RNA entschüsselt hatten.

Anders als die meisten Bakterien lebt C. trachomatis in den Zellen. Chronische Infektionen des Augenlides können zu Bindehautentzündungen führen, der weltweit häufigsten Ursache von verhinderbarer Blindheit. In Amerika gehören Chlamydien-Infektionen zu den verbreitesten sexuell übertragenen Krankheiten, die zu Adnexitis, Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit führen können. Seit den späten vierziger Jahren wurde angenommen, dass ein Toxin für die Entzündungen verantwortlich sein könnte. Es konnte jedoch bis jetzt nie nachgewiesen werden. (pte)

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