Richter Martin Wabl im Fall Natascha verurteilt

5. Oktober 2006, 15:52
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Oststeirischer Politiker muss seine Tatversion zurücknehmen - Berufung angemeldet

Graz - Der oststeirische Richter und Politiker Martin Wabl hat einen Zivilprozess im Fall Natascha Kampusch in erster Instanz verloren. Die Mutter des Mädchens, die von Wabl mit dem Verschwinden der damals Zehnjährigen im März 1998 in Zusammenhang gebracht wird, hatte Klage auf Widerruf und Unterlassung eingebracht und Recht erhalten. Wabl hat seinerseits Berufung angemeldet und denkt - zumindest bis zur Rechtskraft des Urteils - nicht daran, die Behauptungen zurückzunehmen.

Gegenstand des zivilgerichtlichen Verfahrens, das im September d.J. vor dem Bezirksgericht Fürstenfeld abgeführt wurde, war ein Schreiben des früheren SPÖ- und Grüne-Mandatars und gescheiterten Präsidentschaftskandidaten an Behörden und Spitzenpolitiker: Darin hatte Wabl Nataschas Mutter bezichtigt, mit dem Verschwinden ihres seit März 1998 abgängigen Kindes aus Wien-Donaustadt zu tun zu haben.

Im nun schriftlich ergangenen Urteil heißt es sinngemäß, dass der Beklagte die Beweise nicht erbringen habe können. Doch Wabl denkt nicht ans Aufgeben. "Bis zur Berufungsverhandlung hoffe ich, dass die Wahrheit ans Licht kommt", gab er sich im APA-Gespräch am Montag kämpferisch. Er ist nach wie vor "hundertprozentig überzeugt", dass sexueller Missbrauch und dessen drohendes Bekanntwerden Anlass dafür war, das Mädchen verschwinden zu lassen.

"Das Schlimmste wäre, wenn der Mantel des Vergessens über den Fall gebreitet wird", formuliert der Richter. Er will weiter an der Aufdeckung arbeiten und geht davon aus, dass Natascha noch am Leben ist. (APA)

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